Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1642012
Erstes kapital. 
Italienische Bildnexei im 
J ahrhund ert. 
477 
Schöpfungen der Meister auf ihren künstlerischen Werth hin an! 
zusehen. Das Auge hatte sich geübt, das Urtheil sieh geschärft, ein 
kunstsinniges Publikum feuerte durch Beifall und Tadel den Wetteifer 
der Einzelnen an. Was Einer schuf an-Bedeutendeln, durch Originalität 
und Neuheit Fesselndem, das blieb nicht mehr unbeachtet: alle Welt er- 
kannte es, die andern Künstler suchten es zu erreichen, zu überbieten, 
und so war der Weg zu immer kühnerem Fortschreiten geebnet. 
Aber trotz antiker Studien schloss sich die Plastik bei Weitem nicht 
so nahe dem Alterthum an wie die gleichzeitige Baukunst. Nur in einem 
Punkte hat römische Kunst wie es scheint überwiegend auf sie einge- 
wirkt, und der Erfolg war kein günstiger. Das ist die gedrangte, über- 
ladene Anordnung und die malerische Vertiefung des Reliefs. Diese 
Gattung der Bildnerei wird zuerst zivar von einigen Meistern noch ihrem 
Wesen entsprechend plastisch einfach behandelt. Bald aber bemachtigt 
sich selbst der ansgezeichntitsten Künstler der malerische Hang der Zeit, 
und sie geben ihren Reliefs solche perspektivische Abstufung, so reiche 
landschaftliche imd bauliche Hintergründe, dass dieselben mehr gemalt 
als gemeisselt scheinen. S0 geht auf {Jahrhunderte der wahre Geist der 
Reliefschilderung verloren. Auch in Meisculptureii überwiegt bald das 
malerische Element. Wohl werden die Gestalteil runder,  als 
das Mittelalter sie kannte; aber sie verlieren grösstentheils den einfachen, 
grossen Wurf der mittelalterlichen Gewandung, werden unruhig und mit 
übermässigem Detail überladen. Noch weiss der realistische Sinn das 
künstlerische Maass nicht zu finden; die portraitartige Scharfe der Auf- 
fassung bringt gern jeden Zug der Wirklichkeit zuriGlätlingx-b Manchmal 
berührt uns aus den Bildwerken dieser Epoche gerade in Toskana ein der 
gleichzeitigen flandrischen Kunst verwandter Hauch. Nicht unwahr- 
scheinlich, dass einzelne Einfluss: von dort herüber gelangten. Von einem 
bedeutenden Kölnischen Meister, der im Anfange des 15. Jahrhunderts 
in Italien gearbeitet habe, erzählt Ghiberti selbst und weiss ihn nicht hoch 
genug zu prcisenit): er sei den antiken griechiscehen Meistern ebenbürtig 
gewesen, habe Köpfe und nackte Gestalten bexrundernswürdig ausgeführt, 
nur etwas zu kurz seien seine (iestaltcn. gewesen. Später habe er leider 
der Kunst entsagt und sich in eine Einöde zurückgezogen, um Gott allein 
mit Reue und Busse zu dienen, (was beiläufig gesagt einem itzllieni- 
schen Künstler nicht eingefallen wäre).  Indess wenn auch einzelne 
nordische Einflüsse einen Anstoss gegeben haben, die realistische Be- 
wegung war auch ohnedies in Toskana schon erwacht. Ein tief ein- 
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XIV (cd. 
Lemonn. 
Firenze
        

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