Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641940
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Drittes Buch. 
Capell 
Caracr-ir 
ist der König zum dritten Male zu Ross dargestellt. So drängt hier ähnlich 
wie in Verona die Selbstverherrliehling der InIerrseher zu überwiegender 
Betonung des Persönlichen, Portraitartigen hin. Von demselben Meister 
ist sodann iniler Ohorkapelle dieser Kirche das Denkmal des Seneschalls 
Sergianni Caraeciolo vom Jahre 1433. Unten an den Pfeilern stehen als 
Träger in reichen Harnisehen drei ritterliche, etwas gedrungene Gestalten 
mit portraitartigen Köpfen, der Mittlere bärtig; an den Wandpilastern 
zwei nackte Männer mit Säule und Thurm, Haar und Bart vergoldet. 
Darüber erhebt sich ein Aufsatz mit zwei Hiegenden, wappenhaltenden 
Engeln, ilankirt von fialenartigen Eekpfeilern mit allegorischen Figuren 
ohne besonderen Werth. Auf dem Mittelbau steht der Verstorbene auf- 
Grab Inno- 
cenz IV. 
Orgelclm n 1' 
S. Chiam 
Pnrlnl des 
Domes. 
recht, etwas stcifbcinig, aber recht charakteristisch; neben ihm zwei 
sitzende Löwen. Das Ganze ist nicht gerade schön, jedoch interessant, 
weil es den Uebergang in die Auffassung der Renaissance bezeichnet. 
Noch bedeutender macht sich derselbe geltend in der trefflich behandelten 
Gestalt Papst Innocenz IV. an seinem Grabmal im nördlichen Querschifl" 
des Domes, gewiss nicht vor dem 15. Jahrhundert entstanden. Der freie, 
dabei imponircnde Prülatenkopf ist so, wie man sich etwa jenen ener- 
gischen Priester vorstellen mag. 
Losgelöst von diesem Gritbcrdienst tritt uns die Plastik in Neapel 
nur ausnahmsweise entgegen. An der Brüstung des Orgelchores in S. 
Ohiara sieht man Reliefs "aus dem Leben der h. Katharina, kleine zier- 
liche Arbeiten im anmuthigsten Styl des 14. Jahrhunderts, naiv und zart 
wie Fiesoles in Marmor. Die Gestalten heben sich auf schwarzem Grunde 
wirksam hervor und fesseln durch Grazie der Bewegung und Fluss der 
Gewänder. Dabei sind die Begebenheiten frisch aufgefasst und lebendig 
erzählt. Aus derselben Epoche, aber bei weitem geringer sind die Arbeiten 
an der Marmorkanzel, welche links im Schiffe aufgestellt ist. Sie ruht 
auf vier Säulen, die von gutgebildeten liegenden Löwen getragen werden. 
An der Brüstung sind in verschiedenen Reliefscenen lilartergeschichten 
dargestellt, etwas steif, aber doch gemüthlich naiv. Endliöh sind hier die 
Sculpturen am Portale des Domes, insehriftlich vom Jahre 1415, als spät 
mittelalterliche Arbeiten zu nennen. Das Figürliche ist von untergeord- 
netem Range, die Gestalten auffallend kurz, mit schwerem Faltenwurf und 
breiten Köpfen. Aber die musicirenden Engel im Giebelfelde haben viel 
natürliche Anmuth, und das Ganze gewinnt einen phantastischen Reiz 
durch die ungcnirtc Verbindung der ziemlich missverstandencn Formen 
nordischer Gothik mit der bunten malerischen Willkür des Südens und 
den naturalistischen Anforderungen der beginnenden 11011611 Zeit.
        

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