Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641862
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Buch. 
Drittes 
unter ihm grösser den h. Jakobus mit Pilgerstab und Tasche. Daneben 
sind in kleineren Spitzbogennischcn Figuren von Aposteln, Engeln und 
verschiedenen IzIeiligen angebracht. Diese Werke, seit 1287 mit Aus- 
nahme des Jakobus von einem unbekannten Heistei- gefertigt, zeigen 
einen noch strengen pisanisehen Styl. Der Jakobus, 1353 von einem 
Meister Giglio aus Pisa gearbeitet, gehört gleirh den in den äussersten 
Feldern hinzugefügten Apostelstatuen (lem iiüssigcn, fein (lurehgebiltleten 
Style, wie ihn gleichzeitig Andrea. Pisane vertritt. Besonders die Apostel 
sind von edler Schönheit. Die Mitteltafel des Antependiinns, inschriftlicli 
1316 durch Andrea di Jacopo cfQqnabene vollendet, enthalt auf funfzehn 
Feldern in drei Reihen Seenen aus der Jugendgesehichte und der Passion 
Christi, woran sich Vorgänge aus dem Leben des Apostels Paulus 
sehliessen. Der Styl ist hier ebenfalls noch streng gebunden, die 
Gruppirung meist etwas wirr und auf Einflüsse des Giovanni Pisano 
hindeutend. In den Gewändern bemerkt man gute Motive, die indess 
an Unruhe. und einer noch mangelhaften technischen Ausführung leiden. 
Der linke Flügel, seit 1357 durch Meister Piero aus Florenz ausgeführt, 
enthält in neun Feldern Geschichten des alten Testaments, von der 
Schöpfung der Eva bis zur Vermählung der Maria. Diese Darstellungen 
sind viel geschickter, freier, lebendiger als jene früheren Arbeiten. 
Sodann fügte von 1366-71 Lionamlo di Sergiova-lzni, ein treifliclier 
Schüler des (Diene, den rechten Flügel mit neun Darstellungen aus dem 
neuen Testamente und der Apostelgcsehiehte hinzu. Diese Werke ge- 
hören zum Vorzügliehsten ihrer Zeit, namentlich zeigt hier die Gewan- 
dung den edelsten Styl, die reichste und reinste Durchführung. Man 
darf dieselben am ersten mit der Erzthür des Andrea Pisano vergleichen; 
doch hat der Meister den Reliefstyl nicht mehr so klar und einfach auf- 
gefasst wie Andrea, geht vielmehr (lurclrAncleutung von landschaftlichen 
Hintergründen bereits ins Malerische über. Endlich wurden durch einen 
Meister Pietro, Sohn eines deutschen Künstlers Heinrich, seit 1386 noch 
vier Heiligenstatuetten, eine Verkündigung und Anderes hinzugefügt, und 
erst 1398 das ganze Prachtwerk vollendett). 
Von Toskana gehen in dieser Epoche die künstlerischen Anregungen 
für das übrige Italien aus. Was für die Malerei Giotto, das waren Giov. 
Pisano und seine Schüler für die Plastik. Namentlich gilt das von Ober- 
Italien. Wir finden überall Meister aus Toskana thätig, (lenen sich dann 
die dortigen Künstler allmählich ansehlossen. In Mailand enthält zu- 
4') Die geschichtlichen Nachrichten 
ren Kunstgesch. S. 65 (f. 
verdankt man E. 
Fiirslvr, 
Beitr. 
Zllf 
neue-
        

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