Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641852
Fünftes Kapitel. 
Italienische Bildnorei von 121 
461 
wie Tomnztnvo Pisa-zizo, Ninds Bruder, rVicola Arelino (Madonna als 
Schützerin der Christenheit am Portal der ltliserieordia zu Arezzoäi) 
und Statue des h. Mareus im Dom zu Norenz) i-sllberlo de" Arnolzlo 
(Maria zwischen Engeln im Bigallo daselbst) übergehc ich, um den 
wichtigsten toskanisehen Meister der zweiten Hälfte des Jahrhunderts 
Andrea di Cionc, bekannter unter dem Namen Orcagna, (-1376) 
hervorzuheben. Er war gleich den übrigen bedeutenden Künstlern jener 
Zeit zugleich Architekt, Maler und Bildhauer. Für uns kommen hier 
zunächst die Sculpturen des Altartabernakels in Or San hliechele zu 
Florenz in Betracht, das er 1359 ausführte: ein Werk, an welchem 
sich Alles, was die italienische Kunst von dekorativen Mitteln besass, 
zu höchster Pracht und harmonischer Wirkung verbunden zeigt. Ausser 
zahlreichen Statuetten von Propheten und Engeln enthält es in Reliefs 
die Hauptscenen aus dem Leben der ltlaria, auf der Rückseite die Dar- 
stellung ihres 'l'0des und ihrer Aufnahme in den Himmel. Hier sind vor- 
züglich die naehseliaiiendeii Apostel von grossem Werth; überhaupt wal- 
tet in der Arbeit ein edler Sinn für einfache Idormbehandlung, dem 
sich eine lebendige Naturbcobachtung zugestellt. In der zierlichen 
Pracht des reichen Ganzen erkennt man noch den Sohn des Gold- 
Andrea 
O rcagn n  
schmiedes 
Cione. 
Trefflieh 
sind 
auch 
Statuetten 
den 
Fenstern 
derselben Kirche. Die schönen, lebensvollen Reliefs an der Loggia 
de' Lanzi, die 1377 nach des lllcistei-s Tode noch nicht vollendet war, 
sind gewiss, wenn nicht zum Theil von ihm selbst, doch nach seinen 
Zeichnungen ausgeführt.  
Von Werken der Goldschmiedekunst, welche freilieh beim Vor- 
wiegen der Marmorseulpttlr hier Weniger als anderwärts in Betracht 
kommt und von jener abhängig ist, sind in Toskana doch einige be- 
deutende aus dieser Zeit zu nennen. Cione, Orcagnzfs Vater, arbeitete 
für das Baptisterium von Florenz den jetzt in der Opera del Duomo 
befindlichen Altar in getriebenem und vergoldetem Silber. Eine Reihe von 
andern Meistern fügte später noch Manches hinzu, sodass erst 1477 das 
Ganze vollendet war. Neben prächtigen Verzierungen von Emaille und 
Lapislazuli enthält der Altar Reliefs aus der Geschichte Johannes des 
Täufers und zahlreiche Statuetten von Heiligen, Propheten und Sibyllen. 
 Nicht minder glänzend ist der Altar, welchen man in der Kapelle des 
h. Jakobus im Dom zu Pistoj a sieht. Er besteht aus einem grossen 
mittleren Aufsatz und einem unteren Antependium mit Seitentlügelu. 
Oben sieht man in der Mitte den thronennlen Christus als Weltrichter, 
Gold- 
schmiede- 
ArheitPn  
Pistoja. 
znda I.
        

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