Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641716
Fünftes Kapitel. 
Italienische Bildnerci von 
447 
damals in der Luft lag, und dem man in der architektonischen Fassung 
der praehtrolleii Königsgriiber des Doms zu Palermo, in den Kirchen 
'l"0skana,'s, kurz überall wo freies künstlerisches Leben sieh regte, be- 
gegnet. Es kam nur auf einen grossen hleister an, der die allgemeine 
Strömung für die Plastik lebendig zu machen wusste. 
Dieser Meister war iYicolu 10311210. Wir wissen nicht viel von seinen 
Lebensschieksalen, noch weniger von den künstlerischen Verhältnissen, 
welche seinen Entwieklungsgang betlingten. Was W'asari' von ihm erzählt, 
ist ein (Äiemiseh von umrerbüi'gte11 (härüehten und von Erdielituiiggen, aus 
welchen man nur vereinzelte, Körnchen von Wahrheit herauslesen kann. 
Niellt einmal das Gleburtsjahr des grosseu Erneuerers italienischer Plastik 
steht fest; nur soviel scheint aus einer am lilarktbitunnen zu Perugia ent- 
deckten Insehrift hervorzugelieii, dass er zwischen 12W) und 1207 geboren 
wurde. Er war der Sohn des Scr Pietro zu Siena, wie es scheint eines 
Notars. dessen Vater Iäiagio von Pisa gebürtig wart"). Nieola ging 
also nicht aus einer Küustlerfaunilie hervor, wie so viele andre Meister. 
sondern ruuss (lure-h eigne Lust zur läildnerei getrieben werden sein: ein 
Verhältniss, das in jenen Zeiten, wo meistens die liesehilftigilngeu in den 
Familien tbrtiarliteii, zu den seltnen giehört und ebensowaihl 1i11g(iix'i3l111- 
liehes 'l'ztlent als Willenskrzitt voraussetzt. Dies allein vernmg denn auch 
die Erscheinung; eines solchen Meisters zu erklären, der unter seinen 
Landsleuten einsam sieh erhebt und in seinen Werken das verwirklie-ht. 
wonaeh die besten gleichzeitigen Italiener nur dunkel zu ringen ver- 
moehmu. Dass er schon früh unter seinen Kunstgenossen hervorragte, 
beweist das früheste seiner Werke, von dem wir bestimmte Kunde haben. 
In der Vorhalle des Doms zu Lueca arbeitete er 1233 das Itelieaf im 
Bogenfelde des nördlichen Seitenportals (Fig. 147). Es enthält eine 
Kreuzabnahme, in (ieren Uomposition der junge Meister sich der früher 
(S. 318) (srwähnten Imrstellung in S. Leonardo zu Florenz angeschlossen 
hatttai"). Der Formeharakter steht dem jenes älteren Werkes noch nahe, aber 
die Freiheit, mit weleher die dortigen Motive iungestaltet und die un- 
schönen gewaltsamen Zuge veredelt, endlich das Ganze den räumliehen lie- 
dingungen angepasst ist, verräth schon den grossen Oomponisten, den 
selbständigen Künstler. Vergleicht man vollends die klare Anordnung und 
i) Vasari , 
Lcluonnicr I. 
258. 
 Diese Nachweisung verdanken wir E. Förster, der sie in seinen "Beiträgen 
zur neueren Kunstg." (Leipzig 1835) geführt und mit Zeichnungen, denen die 
unseren nachgebildet sind, belegt hat. Ebendort die beste und eingehendste Cha- 
rakteristik der Werke Nicolxis.
        

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