Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641693
Fünftes Kapitel. 
Italienische Bildnerei voh 
l200 
445 
Bnrgn Sm 
Donnino. 
alle Flächen, selbst die Säulensehäfte überspennen hat und neben Christ- 
liehem allerlei Thiere und phantastische Wesen zusammenstellt. Die 
ganze Fassung und der Inhalt lassen hier einen besonders starken Ein- 
fluss nordischer Kunst vermut-hen. Aehnlich barbarisehe Pracht zeigt 
das Hauptportal des Doms zu Trau in Dalmatien, insehriftlieh 1240 von 
einem wie es scheint einheimischen Meister Rarluamzs ausgeführtff) Zu 
den tüehtigsten Arbeiten dieses späteren romanischen iStyles gehören 
dagegen die Seulpturen an der Fagarle der Kirche von Borgo San 
Ilonnino; besonders sind die grossen Löwendes Hauptportals trefflich 
(lurehgeführte Praehtexemplare ihrer Art, schon weit mehr naturalistisch 
als heraldisch. Ueberhaupt sind alle diese Seulpturen höchst kräftig, frei 
und lebendig, vielleicht Erzeugnisse der schon früher besprochenen 
Schule von Parma. Denn dass diese auch im Weiteren Verlauf des 
13. Jahrhunderts sieh fortschreitend entwickelt, beweisen im Baptisterium 
daselbst die zwölf Hoehreliefs der inneren Galerie, welche die Monats- 
besehäiftigungen in edlem, an die besten gleichzeitigen (leutsehen Arbei- 
ten erinnteriideii Style (larstellen. 
Pnrmn. 
Wie lange sieh der streng romanische Styl an manchen Orten hielt, 
beweisen die Reliefs an der Kanzel in S. Bartoloinmeo zu Pistoja, im 
Jahr 1250 von einem Lombarden Guido da 00m0 ohne Ihische in hand- 
werklich glatter Wleisc gearbeitet. An der Facade des Doms zu Genua 
muss das steife Tympanonrelief, Christus thronend zwischen den Evan- 
gelistenzeiehen, darunter die ltiarter des h. Laurentius mit sehr leben- 
digen, aber ganz verdrehten Hcnkern früher sein, als das Uebrige. 
Diese Arbeiten, neben denen mehrere in einem edlen wenngleich by- 
zantinisirenden Style eingeritzte Umrisstigurcn eines älteren "llympanons 
zum Vorschein kommen, bezeugen einen süd-französisehen Einfluss. Da- 
gegen sind die Reliefs an den Thürpfosten, die wohl erst zu den Er- 
neuerungsbauten von 1307-'l312 gehören, in ungemein lebendigem, 
phantasievollem Styl (lurehgeführt, der die romanische Grundlage noch 
festhält, in der prächtigen Rankenumfassung aber schon gothisches 
Naturgeftihl verräth. Einerseits ist es die Kindheit Christi von der Ver- 
kündigung bis zur Flucht nach Aegypten, andererseits die Wurzel J esse, 
wobei der Bildhauer die strenge architektonische Theilung auf's Glück- 
lichste durchbrochen hat, indem er die mittleren Irlauptüguren mit den 
kleineren zu beiden Seiten in dramatische Verbindung setzt. Aelter und 
rein romaniseh sind sodann die Portale des nördlichen und südlichen 
Eilolluergur 
Juhrx 
d. W icncr Centr. 
ßCommiss.
        

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