Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641606
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Drittes Buch. 
wird in England ebenfalls so stark wattirt und gewinnt einen so grossen 
Umfang, dass sie in ähnlicher Unförmlielikeit wie die modernen Caehenez 
alle jene Tlieile mumieiiliaft einwiekelt. Noch ungünstiger Wirkt es, (lass 
der Kopf meistens nicht mehr auf einem von Engeln gehaltenen Kissen, 
sondern auf dem grossen Turnierhelm ruht, der mit seinem Thierkopf oder 
niaskenartigen Menselienantlitz unangenehm hart neben dem Gesiehte des 
käx Ritters hervorsehaut. Dieser steifen Tracht 
im) entsprechend ist denn auch die Haltung der Ge- 
  stalten von absoluter Starrheit, straff ausge- 
 streckt mit parallel gestellten Beinen, stumpf 
 vor sich. hinbliekend, die Arme in harten Win- 
m  4 keln gebogen und die Hände meist zum Gebet 
 gefaltet, so monoton und ausdruekslos, als 
IV! 57' seien sie auf Kommando zu einer grosseii Todteii- 
 parade angetreten. Nur selten kommt noch 
 das schreitende Kreuzen der Beine vor, und 
W  wenn es angewendet wird, so steht es in wun- 
H   derlieliem Contrast mit der ruhigen Gebetshal- 
Mit   tung der oberen Theile und hat nichts mehr 
 iy, 1 von dem energischen Ausdruck kriegerischer 
 {g  Rüstigkeit, wie früher, wo die Ritter meistens 
 y X mit kühner Handbewegung nach dein Schwert 
    griffen. 
 Aber diese Leblosigkeit erstreckt sich nicht 
 4  blos auf die ritterlichen Gestalten, wo sie durch 
 x  das Zeitkosttini entschuldigt werden könnte, 
F"; 143, Ayme, de valenm sondern auch die Könige in ihren langen Tala- 
 ren, die Bischöfe in ihren weiten Pontitieailge- 
wandern, die Frauen in den faltenreitrhen Man- 
teln zeigen dieselbe nüchterne Steifheit und in den Gewändern entweder 
monotone Parallelfalten oder, wie bei den Bischofsstatueii, eine iiieht 
minder geistlose Symmetrie der diagonal eonvergireiiden Falten. Nichts 
von der Freiheit und Manniehfaltigkeit, welche man an solchen Denk- 
mälern in Deutschland findet; keine Spur von einem geistvolleii Motiv 
der Bewegung; überall dieselbe pedaiitisehe Steifheit! Nur im Anfang 
der Epoche findet man einzelne bessere bischöfliche Monumente, in denen 
die frühere Frische der Auffassung naehwvirkt. So am Cantilupe-Sehrein 
der Kathedrale zu Hereford, der übrigens wohl kein Grabdenkmal ist, 
sondern nur an den Seiten in den Arkaden Figuren sitzender Ptitter in den 
lebendigsten und originellsten Bewegungen enthält. Feiner der anziehende
        

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