Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641595
Viertes Kapitel. 
Nordische Bildneroi 
der spiitgothischen Epoche. 
435 
schlafeinleii Krieger, welche in ltelicrfs an den Flachen des (irabmals dar- 
gestellt sind, zeigen bei Motiven von  Lebendig-laut eine 
geringere Ausführung. Ihre 'l'ra,cht weist etwa auf die Mitte des 
l 4. Jahrhunderts. 
Wal1rei1(l die einseitige liichtung der englischen Architektur eine 
freiere Bethätigung der Plastik nur in geringem Maasse zuliess, finden wir 
die Vorliebe für glänzende Grabdcnkmätler, die in der vorigen Epoche 
schon das Uebergewicht im bildneriscluni Schaffen erlangte, in immer stei- 
gendem Zilnelnnenft). Mit den vornehmeren Klassen wetteitert jetzt der 
niedere Adel und der Bürgerstand; Jedermann will in leibhaftigem Abbild 
auf seinem Grabmale dargestellt sein, in der vollen Wirklichkeit des 
Lebens, mit den Abzeichen seines Standes und in peinlicher Genauigkeit 
(lcs liostüms. Den vornehmeren Klassen bleibt nichts übrig als durch 
reich geschmückte Sarkophage sich über die andern zu erheben lllld etwa 
das (tanze (lurch pnachtvwwllc Baldachine zu krüiien. Auch im Material 
wird nach mögliehsttar Kostbarkeit gxistrebt. Gravirte Broneeplzitten 
werden vom Festlantlti, Ibesontlcrs aus den Niederlanden zahlreich ein- 
geführt; noeh lieber stellt man aber die Verstorbenen in plastischer Run- 
dung (lau, und  fehlt in lünglantl nicht an geschickten Kupferschmietlen 
(.„c0ppcrs1nitlis"), welche den Guss solcher grösseren Werke übernehmen. 
Bei steinernen Denkmälern wendet man nicht selten Mannor und Alabaster 
an; Einaillirungu, (iold und andrer Farbcnsclnnuck muss dann die glan- 
zende Wirkung vollenden. 
Aber mit (liesei- aussern Pracht halt der künstlerische Werth nicht 
mehr gleichen Schritt. Die übergrosse Mehrzahl der massenhaft aus dieser 
Epoche erhaltenen Grabgestalten erscheint auffallend steif, leer und geist- 
los. Zum Theil ist daran wie auf dem Continent die hässliche Tracht 
Schuld, die freilich in England noch rascher entartet und sich noch mehr 
ins Bizarre verirrt. Statt der früheren lang wehenden faltenreiehen Ge- 
wänder, die nur noch ausnahmsweise, wie an dem Denkmal Aymers von 
Valenee (T 1322) in Westminster vorkommen (Fig. 143), erscheinen 
jetzt die Ritter in den kurzen Wappenrijckeil, die wie lederne wattirte 
Jacken den Körper umspannen und kein Blältchen zulassen. Statt der 
geschmeidigen Kettenhemden (ler früheren Zeit tritt der Sehienenpanzer 
mit seinen eckigen Bilekeln, den starren Arm- und Beinsehienen in sein 
Recht; die Halsberge aber, die von den Schultern ab den oberen 'l'heil- 
der "Brust, den ganzen Hals und den Kopf fast vollständig einschliesst, 
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