Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641508
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Drittes Buch. 
(Irabsseiuz 
ZU  
Tournay. 
Rlurchgebildet und von edlem Seelenausdrucl; belebt. Leider wird durch 
zu grelle moderne Bemalung die Wirkung geschwächt. Nicht ganz so 
gut in den Verhältnissen ist der Engel, aber mit feiner Empfindung hat 
der Künstler die leise Scheu ausgedrückt, in welcher der himmlische. Bote 
sich naht und eben niederknieen will. Sein Gewand lässt bereits den Ein- 
fluss der Werke Huberts van Eyck erkennen.  Als liebenswürdige 
Werke derselben Schule werden sodann auch die zierlichen Reliefs in der 
1374 erbauten Katharinenkaptelle der Irh-aueiikirclie zu Courtray be- 
zeichnet. Es sind Darstellungen aus dem Leben der illarizi und zweier 
Heiligen, unter-mischt mit humoristischen und genicllafteu Scenen, welche 
die Zwickel der Wandarkaden füllent). 
Noch schärfer als an diesen idealen Gebilden lässt sich die neue Ent- 
wicklung dieser Schule an einer Anzahl von Grab m alern erkennen, von 
denen einige in den Kirchen, die meisten jedoch bei einem dortigen Kunst- 
freunde Herrn Dumortier aufbeivahrt und dem (lrohenden Untergange ent- 
zogen sind. Sie gehören sännntlich dem Ende des vierzehnten und den 
ersten Decennien des folgenden Jahrhunderts an. Mehrere von ihnen sind 
noch bei Lebzeiten der Verstorbenen auf Bestellung gearbeitet, wie man 
aus dem unausgefüllten Datum schliessen kann. In dem bläulichen 
marlnorartig feinen Kalkstein der Gegend ausgeführt, zeigen sie gleich- 
wohl nur eine handwerkliche Auffassung, die freilich durch die reiche Be- 
malnng, deren Spuren man noch wahrnimmt, gewinnen musste und immer- 
hin durch das treuherzige Streben nach Naturwahrheit anziehend wirkt. 
Gewöhnlich ist unter gothischcn IBaIdachinen die Madonna oder die Drei- 
faltigkeit dargestellt, auf beiden Seiten von den knieenden Gestalten der 
Verstorbenen und ihrer Fanlilienmitglierler verehrt. Dies ist die (lamals 
allgemein übliche, der bürgerlichen Bescheidenheit angenlesseneä J-kuftassung 
solgher Grabmäler, während die Grabsteine der vornehmeren Stande die 
lebensgrosse Statue des Verstorbenen zum Mittelpunkt machen. Die 
Figuren sind kurz, die Formen im Ganzen und in den Köpfen breit und 
rundlich, die Gewandung ist in reichen hlasseirmit weichem Faltenwurf 
angelegt, wobei-der schwere Stoff (leutlich bezeichnet ist, wie denn der- 
selbe Naturalismus auch in der Behandlung des Nackten nicht vergisst die 
kleinen Ilautfaltehen auszudrücken. Zu den bessern dieser Werke gehören 
das Denkmal des Doctors der Rechte Nieolas de Seelin, das noch aus dem 
14. Jahrhundert stammt, ferner der Grabstein des Goldseluniexles Jan Isac, 
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Solmmnwj 
Gesch. 
564 
Schayvs, 
Hist. 
Varch.
        

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