Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641497
Viertes Kapi 
ndisclxe Bildnerei der spätgothischen Epoche. 
425 
Sinn des Volkes wies hier von selbst auf die Ausbildung einer mehr natura- 
listischen Richtung hin, und die Praehtliebe des Burgundischen Hofes, der 
das künstlerische Leben mächtig förderte, musste wohl nach (lerselben 
Seite hin neigen. S0 kam es, dass von hier aus um 1420 durch Hubert. 
van Eyck die Malerei jenen Aufschwung nahm, von Welchem nicht bloss 
ihre gesammte moderne lüntwieklung, sondern auch ein durchgreifender 
lüintluss auf die Plastik ausgeht. Aber diese letztere Kunst empfing von 
der Malerei nur zurück, was sie selbst ihr früher an Anregung geboten 
hatte; denn noch vor dem Auftreten Huberts van Eyek lässt sich in 
Flandern eine Bildhauerschule nachweisen, welche zuerst einem schärferen 
Realismus Bahn bricht. 
Sehon in romanischer Zeit waren hier die Meister von Dinant (lurch 
bedeutende Erzarbeiten weit berühmt geworden. Aus der gegenwärtigen 
131303119 lässt sich zwar nur durch unerhebliche Werke eine Naehblüthe 
jener älteren Technik nachweisen; um so bedeutender tritt dagegen 
Tournay hcrxforit). Schon gegen die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts 
blühte hier ein Meister Wuillaznree du Cardin, bei welchem 1341 Herzog 
Johann III. von Brabant sein Denkmal für die Franziskanerkirche zu 
Löwen bestellte. In dem Centrakttit) wird ausdrücklich die Bemalung mit 
guten Oelfarben ausbedimgen. Jenes Denkmal ist nicht mehr vorhanden, 
und wir vermögen daher nicht zu bestimmen, 0b von den älteren Seulp- 
turen zu Tournay Etwas ihm beizulegen ist. Zimächst sind als anziehende 
Arbeiten des vierzehnten Jahrhunderts verschiedene Werke in der Vor- 
Schule von 
Ton rnay. 
halle der K ath e d 1- ale 
Zll 1101111 811. 
An den YViinden 
des Portals sind die 
Geschichten der Schöpfung, des Sündcnfalls und der Vertreibung aus dem 
Paradiese naiv und lebenswahr erzählt. Nicht minder anziehend sind die 
Prophetengestalten und besonders am lllittelpfeiler die grosse Madonnen- 
statue, ein Werk voll Schönheit in der weichen Haltung des Körpers, dem 
edlen Gewande und den lebensvollen Zügen des Angesichts. Dieselbe 
Weichheit des Styls, aber auf noch höherer Stufe der Irlntwicklung, die 
auf das Ende unsrer Epoche deutet, findet man wieder an der grossen 
Darstellung des englischen Grusses in derMagdalenenkirch e. Nament- 
lich ist hier die Madonna von wunderbarer Schönheit; der Mantel, den sie 
mit der rechten Hand unter der Brust zusammenhält, nmgiebt sie mit einer 
Fülle weiehtiiessender Falten; der Kopf erinnert an den jener früheren 
Madonna der Kathedrale, aber seine Züge sind zu reinster Schönheit 
nstbl att 
lt im K11 
Ä") Waagen hat im 
gewiesen. 
H) Vcrgl. den Inhalt 
1848, 
auf 
zuerst 
diese 
Schule 
desselben in de Laborlleäv Duos 
de Bourgogne, 
_LXIV
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.