Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641399
Viertes Kapitel. 
spätgothischen Epoche. 
Nordische Bildnerei der 
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gesetz nicht mehr beobachtet wird. Dagegen sind die Formen des Kopfes, 
eines achten imposanten Pralatengesichts mit kühnen Augen und geboge- 
ner Nase, zu sprechender Portraitwvahrhcit durchgebildet. Gleich dem 
vdrigen zeichnet sich (lieser Grabstein wie die meisten älteren (lurch die 
guterhaltene Bemalung aus. Mit dem Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts 
muss nun ein bedeutender Meister hier den Weg aus dem unerträglich 
gewordenen Zwiespalt zwischen der alten Idealität iuid dem neu erwach- 
ten Natursinn gefunden haben. Den ersten Beweis dieses Umschwunges 
bietet das Denkmal Bischof Gerhards, Grafen von Schwarzenburg 
(T 1400). Der Kopf ist schon ganz trefflich in individuellem Gepräge, das 
bartlose Gesicht mild freimdlich, die Haltung bescheiden und vornehm; 
der eonve-ntionelle Faltenwurf ist festgehalten, aber das Gewand Hiesst in 
lauter neuen originellen Motiven voll geistreicher Behandlung. Die Spur 
desselben Meisters glaube ich in dem fast eben so schönen Grabmal Bi- 
schof Johanns von Egloffstein (T 1411) zu erkennen, der in ähnlich freier 
lrlaltung und trefflichem Gewande sich darstellt. Nur die Augen in dem 
lebendig (lurchgebildeten Kopfe sind von dem herkömmlichen Lächeln 
nicht frei. Vom Ende der Epoche nenne ich noch als 'eine tüchtige Arbeit 
von einfacheren] Charakter das Denkmal Bischof Johanns von Bern 
(t 1440), eine lebensvolle Portraitgcstalt in ungezxrungener Bewegung. 
Die Rechte hält das Schwert, die Linke den Krummstab. Auf der Mitra 
sind in zicrlichem Relief zwei die liionstranz haltende Engel dargestellt. 
Nicht minder wichtig sind die schon öfter besprochenen Bischofs- 
graber im Dome zu M ainzft) Eins der bedeutendsten unter ihnen ist der 
Grabstein des Erzbischofs Peter von Aspelt (T 1320). Der Künstler 
sollte hier, ähnlich wie an dem früher errichteten Denkmal des Erz- 
bischofs Siegfried (vergl. S. 376) den hierarchischen Stolz des Reichs- 
primas (lurch eine plastische Andeutung der Thatsache feiern, dass Peter 
die drei (lcutschcn Könige Heinrich VIL, Ludwig von Baiern und Johann 
von Böhmen gekrönt hatte. Er stellte nun den Bischof überlebensgross 
dar, wie er zweicn der dicht an ihn gedrängten und gleichsam schutz- 
braalürftigen Fürsten die Krone aufsetzt. Dadurch erhielt die Gestalt des 
Bischofs eine hüsslicih verschobene Form, und besonders der rechte er- 
hobene, in scharfem Winkel gekrümmte Arm sieht wie verrenkt aus. Trotz 
dieses unerfreulichen Naturalismus war das Formgefühl des Bildhauers 
nicht stark genug, um die Köpfe, die alle einen ilnschönen breiten 'l'ypus 
haben, zu lllfllvdtlllälllsllfll, und er begnügte sich mit gewissen Verschie- 
denheiten der äiusseren Haltung und des Gewandwurfes. Die zunächst 
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Mainz. 
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