Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641352
Viertes Kap 
Nordische Bil 
lncrei 
der spätguthißchcn Epoche. 
411 
nlillil], wo der männliche und der weibliche Kopf weder in den gleich- 
mässig jugendlichen Zügcn noch in den eonventionell gcringeltcil Locken zu 
unterstaheitlen sind, und wo auch die männliche Gestalt durch (las lang 
herabtliessemlc Gewand schön verhüllt ist. Dagegen uird schon seit der 
Mitte des Jahrhunderts in den Ritterstatuen die veränderte 'I'racht ein 
Hinderniss für die Entfaltung der Plastik, denn mit den kurzen WatTen- 
röeken, den zuerst an den Gelenken auftretenden, dann auch weiter sich 
verbreitenden Eisensehienen, die das geschmeidige Panzerhemd ver- 
drängen und den ganzen Körper in ihre steifen Fesseln schlagen, ist jede 
Möglichkeit einer edlen Darstellung ausgeschlossen. Die Gestalten zeigen 
sich nun mit gespreizten Beinen und den abstehenden Armen, welche 
nicht mehr zum Gebete gefaltet, sondern mit dem Halten des Schildes 
und der Waffen, wohl auch des reichgeschmückten Tilrnirhehnes be- 
schäftigt sind, in derselben ungeschiekte11- Sehwerfalligkeit wie das 
Leben sie mit sich brachte. Die Treue der kostümlichen Durchführung 
und der individuellen Auffassung des Kopfes ist nicht im Stande für den 
Verlust einer stylvollen Behandlung zu entschädigen und das Natur- 
gefühl ist noch zu schwach, um selbst das Sehwerfällige dei- äusseren 
Erscheinung für die Darstellung ehrenfesten ritterlichen Wesens zu ver- 
werthen. Eins der charaktervollstcil Beispiele ist der Grabstein des 
Gegenkönigs Günther von Schwarzburg (T 1349), welcher drei Jahre nach 
seinem Tode im Chore des Doms zu Frankfurt a. M. errichtet wurde 
ttcrbilde] 
und sich durch zierliche Detailailsfülnnng des Kostüme, sowie (lurch 
vollständige Bemalung auszeichnet (Fig. 137). In derselben Kirche beiin- 
det sich aus etwas späterer Zeit (1371) der Grabstein eines Ehepaars von 
Holzhausen. Von verwandter Art ist die Statue eines Ritters von Falken- 
stein (T 1365) in der Klosterkirche zu Arnsburg im Hessischen, nur 
dass hier eine lebendigere Bewegung erstrebt wird, die freilich noch un- 
geschickt sieh äussert. Feiner das Grabmal des Grafen Gebhard in der 
Burgkapelle zu Querfurt, so wie das des Grafen Dietmar und seines 
Sohnes in der Kirche zu Nienburg an der Saale, zwar ebenfalls von 
steifer Haltung der beiden neben einander aufrechtstehenden Gestalten, 
und ohne Stylgefühl im Faltenwurf des dem altern Grafen als Auszeich- 
nung verliehenen Mantels, aber doch in dem still bescheidenen Ausdruck 
der beiden Köpfe recht anziehend. Vom Ende (lieser Epoche stammt 
(laun der (lrabstein des im Jahre 1241 in der Mongolensehlacht bei Lieg- 
nitz gefallenen Herzogs Heinrich II. von Schlesien in der von ihm gestif- 
teten Vincenzkirche zu Breslau (Fig. 138). Statt des sonst üblichen 
Löwen hat der Fürst einen am Boden liegenden, mit besonderer nationaler 
Antipathie charakterisirten Mongolen unter seinen Füssen. Der Ausdruck
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.