Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641339
Viertes Kapitel. 
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der späitgothiscl 
wehe. 
409 
noeh etwas steife Befangeuheit; (lagegen ist die zweite Gemaliu eine 
der schönsten Idealfiguren dieser Zeit, frei bewegt mit einfach gross- 
artigem Faltenwurf, der liebliche sehmcrzuiniiortc Kopf vom Schleier um- 
geben. Der Herzog selbst ist von steifer Haltung, aber im Kopfe von 
entschiedenem Portraitausdruek. 
Wie die Künstler jetzt anfingen, die Natur vor Augen zu nehmen 
und getreu nachzubiltlen, zeigt in naiver Weise eine Miniatur in einem 
Manuscript, welches dem Nationalmuseum in München angehört. Dort 
lässt eine Königin den Grabstein ihres Gemals anfertigen und steht 
schluchzend neben dem Bildhauer, der seine Arbeit nach der herbei- 
gebrachten Leiche des Verstorbenen ausführt. Ein anderes Beispiel, noch 
vom Ende des '13. Jahrhunderts, wird uns durch den Chronisten Ottokar 
von Ilorneckit) bezeugt. Er erzählt, dass Rudolf von Habsburg einem 
Bildhauer den Auftrag gegeben habe, seinen Denkstein für den Dom zu 
Speyer zu arbeiten. Der Künstler habe sich desshalb das Gesicht des 
Kaisers bis auf die einzelnen Falten eingeprägt. Als dann aber bei zu- 
nehmenden Jahren die Falten sich vermehrt hatten, seider Meister aus- 
drücklich dem Kaiser nachgereist, um sich von diesen Veränderungen zu 
überzeugen und dieselben auf seinem Steine nachzutragcn. Der Chronist 
aber tadelt sein Benehmen und nennt es einen aalbernen Sitt." Es war 
übrigens natürlich, dass das Streben nach individueller Charakteri- 
stik zuerst an den männlichen Köpfen sich versuchte, die durch kräfti- 
gere lilntwicklung der Form, auch wohl durch den Bart dem Bildner 
einen Anhaltspunkt gewährten. Für die weiblichen Köpfe hielt man da- 
gegen gern, auch bei Portraitstatuen, an dem idealen Typus fest, der sich 
allmählich herausgebildet und namentlich an den zahlreicheil Madonnen- 
statue-n entwickelt hatte. Erst im weitern Verlauf und gegen das Ende 
der lßlpoche, nachdem mehrfach, wie an der Nürnberger Frauenkirehe, 
die Künstler begonnen hatten den leer gewordenen Typus der Madonna 
(lureh das untergeschobene Bild irgend einer schönen und liebenswerthen 
irdischrwu Jungfrau neu zu beleben, eroberte man auch für die weibliche 
Portraitstatue das Gepräge der bestimmten Persönlichkeit. Einzelne 
Nachzügler der altern durchaus idealen Auffassung lassen sich bis in" die 
Spätzeit des vierzehnten Jahrhunderts nachweisen. S0 eine weibliche 
Grabstatue vom Jahr 1370 in der Barfüsserkirehc zu Plrfurt, so nament- 
lich das schöne Denkmal in der Elisabethkirche zu ltlarburg vom J ahre 
137G,-vcrmuthlieh des Landgrafen Heinrichs des Eisernen und seine-r Ge- 
Idcälc und 
individuelle 
Auffassung. 
a") Diese bei lWs, Scriptt. rcr. Allah? 
dem Cimt bei Sclzluzase VI. S. 385. 
VIII zubgcdnlckte Stulle verdanke ich 
Vul.
        

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