Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641326
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ittcs B: 
Blick auf die zahlreichen 
werfen. 
in Stein 
gearbeiteten Grabmäler 
dieser 
10- Die Grabsteine behalten in de1' ersten Zeit des 14.Jahrhundrarts noch 
eine Weile das edle Gepräge der früheren Zeit, die typische Allgemein- 
 heit der Gesichtszüge, die ernste Ruhe der Elaltung, die verklärte Lieblich- 
keit namentlich in den weiblichen Köpfen. Auch die Tracht bleibt zuerst 
noch dieselbe ideale fast antikisirende Gewandung, deren weiter Wurf und 
Hiessende Falten an die kirchlichen Bildwerke der Zeit erinnern. Nament- 
lich tritt dies an den Denkmalen langst verstorbener Stifter und Wohl- 
thäter hervor, bei Welchen ohnehin an Portraitäihnlichkeit nicht zu 
denken war. Solcherart sind die beiden schönen Grabsteine der I-Iemma 
und Aurelia in S. Emmeran zu Regensburg, wahrscheinlich erst gegen 
die Mitte des 14. Jahrhunderts entstanden. Hier sind die Gewänder der 
schlanken Gestalten in schöne Falten gelegt, die Köpfe (lagegen, sowie die 
Hände noch schwach gezeichnet, die Nasen lang und spitz, Mund und Augen 
in eonveiltioneller Zierlichkeit, letztere nur halb geöffnet und etwas schräg 
geschlitzt. Dahin gehören ebendort die Grabsteine Kaiser Heinrichs II., 
des Grafen Warnmund (T 1010) T), sowie des h.Emn1eran, durch fliessen- 
den, edlen Styl und gut erhaltene Bemalung ausgezeichnet. Ferner 
die anziehende Grabstatue der Gemalin Rudolfs von Habsburg, der 
Kaiserin Anna sammt ihrem Söhncheil, im Münster zu Basel, erst nach 
1356 ausgeführt; das Denkmal der h. Gertrudis in der Kirche zu Alten- 
burg an der Lahn, vom Jahr 1334m"), sowie das der Kaiserin Editha 
im Dom zu Magdeburg, das erst im Anfange des 15. Jahrhunderts er- 
richtet wurde. Aber auch an den Grabmülern kürzlich Verstorbener ver- 
zichtet man noch lange Zeit auf jede individuelle Charakteristik. So an 
dem Grabstein des Grafen Rudolf von Thürstein (T 131 S) im Münster zu 
Basel, einer edlen jugendlich anmuthigcn Gestalt, die noch ganz im 
Geiste der vorigen Epoche behandelt ist. So ebendort an dem etwas ge- 
ringeren Denkmale des Konrad Schaller (T 1316), wo merkwürdiger Weise 
die Gestalt aus dem vertieften Grunde sich heraushebt. So noch um 
die Mitte des Jahrhunderts an den Grabsteinen Herzog Rudolfs I. von 
Sachsen und "seiner beiden Gemalinnen Kunigunde und Agnes in der 
Schlosskirche zu Wittenberg. Hier zeigt die erstere, wohl die früher 
ausgeführte, in den Gesichtszügen denselben Mangel einer freieren Ent- 
wicklung wie jene Regensburger Denkmäler und (ldZll Hllßll im Gefält 
k) Welche beide von E. 
dert zugesprochen werden. 
M) Abb. in flliillnräe Bein". 
Fiirxlcr (G. 
II. T. I9. 
Kunst I. 
dem 
J ab 1'111
        

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