Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641216
Viertes Kapitol. 
Nordische Bil 
nerei 
der spätg 
Hshischen Epoche. 
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der meisten zeitgenössischen Werke weiss, vielmehr bei allen Gestalten 
eine schlicht natürliche Auffassung und gemüthvolle Empfindung zur Gel- 
tung bringt. Hier zeigt sich das bürgerliche Element der Zeit von seiner 
liebenswürdigen Seite. Am Tlympanon ist in kleinen Reliefs die Geschichte 
der Maria in dicht gedrängten, lebendig bewegten Gruppen, wie es scheint 
noch aus der Frühzeit des Jahrhunderts (largestellt; in den Arehivolten 
sitzen drei Reihen von Königen und Propheten, ebenfalls noch in einfach 
der frühgothisehen Weise sich anschliessendei- Behandlung. Etwas con- 
ventioneller, und wohl auch später sind dagegen die Propheten in der 
Laibung des weitvorspringentlen Bogens, Welcher werrhallenzirtig das Portal 
umrahmt. Aber noch weiter erstreckt sich der plastische Schmuck über 
die angranzenden Theile des Baues. An der Stirnseite der beiden Strebe- 
pfeiler, jene Apostelreihen fertsetzend, stehen links zutei gekrönte weib- 
liche Gestalten, und zwar die Madonna, unter deren ausgebreitetem Mantel 
in kleinen Figürchen Papst, Kaiser, Mönche und Laien Schutz suchen, 
ein Werk voll Feierlichkeit; die andre Gestalt mit lieblichem portrait- 
artigen Köpfchen, sehr breiter Stirn, etwas vertretenden Augen und 
kleinem nonnenhaft eingehülltem Kinn, das Gewand reich gefaltet in rundlich 
iiicssenden Linien. Ihnen entsprechend sieht man am rechten Pfeiler die 
Verkündigung, ebenfzills ein treffliehes Werk, besonders die Madonna 
mit vollem schönem Ovalkopf, die Augen (leniüthig niedergeschlagen, der 
Engel das Spruchband in den zusammcngelegten Händen haltend. Endlich 
ist oben an der Wandtläche über dem Portal, bekrönt von einem Spitz- 
bogenfries mit reichem ltlaasswerk, eine Darstellung des jüngsten Gerichts 
in einzelnen Gestalten angebracht, auf Konsolen, welche zum Theil Aufer- 
steheude darstellen. Oben der thronende Christus stark verwittert, beider- 
seits die fürbittenden knieenden Figuren von Maria und Johannes, dann 
je drei schlanke, indess nur oberflächlich behandelte längel mit den Marter- 
Werkzeugen. Schliesslieh der Iflöllenraeihen mit den sehr ruhig drein- 
schauenden Verdammten, gegenüber Petrus als Iilinnnelspförtner, die 
Seligen cinlassend. Alles im einfachen Styl vom Ausgange des vier- 
zehnten Jahrhunderts. 
Einige Werke im Maximilians-Museum geben weitere Beweise von 
der tüchtigen lihittvickeliuig der (lortigen Bildnerei. Vor Allein eine grosse 
in Holz geschnitzte und polyehromirte Statue der Madonna aus der Ulrichs- 
kirehe, ein Werk vom Ende dieser Epoche, feierlich im Wurf des Gewan- 
des, der Kopf voll Huld und Grossartigkeit, das Christuskind minder ge- 
lungen. Eben so schön ist eine gleichfalls in Holz geschnitzte Statue der 
Madonna in der Kirche des unfern Augsburg gelegenen Dorfes Hann- 
stetten, bei welcher die starke Biegung des Körpers einen prächtigen 
Augsl 
Alnsr
        

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