Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641193
Viertes Kapitel. 
Nordische Bildnerci 
der spätgothisclyen Epoche. 
395 
stehenden Statuen der zwölf Apostel gebildet wird. Eine der frühesten 
und besten Holzschnitzereien, die wir haben, folgt dies Werk noch durch- 
aus dem früheren idealen Style, der in den Köpfen den individuellen Aus- 
druck gänzlich ausschliesst, aber in der Aumuth der Formen, dem iliessend 
behandelten Bart und Haupthaai- und dem weichen Faltenwurf der Gewänder 
noch immer anziehend zu wirken weiss. Wie roh aber gelegentlich um 
dieselbe Zeit solche Werke ausgeführt wurden, beweist der Leichnam 
Christi im Untersatze des Wolfgangaltars derselben Kirche, dessen 
Gemälde weit über dem WVerthe dieser abschreckcnden Schnitzarbeit 
stehen.  Von den zahlreichen andern Werken, die sieh am Aeussern von 
Weliiihauserii dieserZeit finden, sind die Reliefs am Erker des Sebaldus- 
P fa r r h aus es hervorzuheben. Wahrscheinlitah nach dem Brande von 136i 
ausgeführt, enthalten sie die fünf Hauptscenen aus dem Leben der Maria 
in guter Anordnung und lebendiger Schilderung. 
Einer zweiten bedeutenden Schule begegnen wir in Schwaben, 
zunächst an den beiden Ilauptportztlen des Doms zu Augsburg, 
dessen romanischer Bau seit dem Jahre 1321 eine durchgreifende Er- 
weiterung und Umgestaltung erfuhr, die bis gegen Ende der Epoche 
währte. Die ältesten Werke sind hier am nördlichen Portal zwei gekrönte 
weibliche Gestalten, die eine mit Seepter und dem Modell des alten roma- 
nischen Domes, noch ganz im Styl des (lreizehnten Jahrhunderts mit lang 
herabfallenden Gewändern, gedrungenen rundlichen Köpfen und dem etwas 
starren Lächeln in den halbgeöüneten Augen. Etwas später erscheinen 
die beiden Statuen der linken Seite, eine Magdalena im Schleier, (las Salb- 
gefäss in beiden Händen haltend, das Gewand zierlich im entwickelten 
Styl des vierzehnten Jahrhunderts, aber der Kopf sammt dem conven- 
tionellen Zug der Locken noch mehr dem typischen Wesen jener beiden 
älteren Figuren entsprechend. Deneben der heilige Bischof Ulrich mit dem 
Fisch in der Hand, der Kopf und namentlich die Locken des Bartes schon 
stark manierirt und ebenso die ausgebogcxie Haltung des Körpers. Das Ge- 
wand hält in feiner Durchführung. die Mitte zwischen der plastischen 
Scharte und Klarheit jener ersten Gestalten und der weich Hiessenden Be- 
handlung bei der lilagtlalena. Dieser letzteren steht dann die Madonna 
am Mittelpfeiler am nächsten, in deren Kopf mit den breiten portraitartigen 
Zügen, dem Unterkinn und dem gemüthlichen Ausdruck man schon das 
fünfzehnte Jahrhundert erkennt. Das Tympanon enthält in drei Abthei- 
lungen die Reliefs der Verkündigung, Geburt Christi und Anbetung der 
Könige, sodann des Todes und endlich der Krönung Maria. Die Anord- 
nung ist mager, in einem etwas zibgelebtmi Styl,__1nit (lürttigen Figuren, 
eonventionellen grossen Köpfen mit gedrehten Bärten, die weiblichen 
Au Wohn- 
häusern. 
Schwäbische 
Plastik. 
Augsburg.
        

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