Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641067
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Drittes Buch. 
Andere 
NVerk e. 
Lincoln. 
romanischen Motiven, entweder lang herabiliessend, oder in bewegterem 
Schwnnge, immer jedoch noch mit unfreiem Parallelgefält. Die Köpfe 
haben einen vollen, kräftigen, dabei edlen Typus. In den sitzenden 
Kolossalfiguren von Bischöfen regt sich dagegen ein freierer Linienzug: 
die Köpfe sind noch streng, aber plastisch durchgebildet, die Gewandung 
wirft sich in grossen, tief und scharf geschnittenen Falten; der Ausdruck 
ist sprechend lebendig. Wieder in anderen dieser Figuren kommt der 
neue Styl zu weichem Flusse, zu voller Durehbildilng. 
Ausserdem finden sich Sculpturen, freilich von wcit geringerer Be- 
deutung und Ausdehnung, an den Facaden der Kathedrale von Peter- 
borough und von Lichficld, hier besonders eine Anzahl arg verstüm- 
mclter Statuen; ferner an der Abtcikirche von Groyland und der Kathe- 
drale von Lincoln, die ausserdem am südlichen SeitenschiH ein mit 
Reliefs geschmücktes Portal besitzt. Ungleich werthvollcr sind dagegen 
in der letzteren Kathedrale die Engelchöre, welche im Chor (nach 1282) 
an den Zwickeln der Triforiengalerie angebrachtwurden. Der Künstler 
ist dabei offenbar von einer tiefsinnigen, aber dunklen Phantasie geleitet 
werden; denn die Engel sind nicht allein sehr verschieden in Gestalt, 
Wesen, Ausdruck und Beschäftigung, sondern man findet auch die Figuren 
Christi, der Maria mit dem Kinde und anderes Bedeutsame eingestrent. 
Einmal vollzieht solch ein Engel die Strafgeriehte Gottes, indem er Adam 
und Eva aus dem Paradiese treibt. Somit ist also die Geschichte des 
Sündenfalls und der Erlösung unter dem Eingreifen der himmlischen Heer- 
schaaren, also von einem ganz neuen poetischen Gesichtspunkte aufge- 
fasstit). Die Ausführung zeigt überall den vollendeten, freien Styl vom 
Ausgange des Jahrhunderts. Alles ist voll Leben und Frische, voll jugend- 
licher Anmuth; die Stellungen sind überaus mannichfach (lurchgeführt, 
bisweilen etwas gezwungen, aber immer anziehend und reizend. Ebenso 
sind auch die Gewänder in tiefe, grosse Falten geworfen, mit tretflicher 
Berechnung der zu erzielenden Wirkung. Das Werk ist die edelste Blüthe, 
welche der neue Styl in England hervorgebracht hat.  In verwandter 
Weise schmückte man um dieselbe Zeit die Zwickel der Arkaden im 
Kapitelhailse der Kathedrale zu Salisbury mit sechzig Reliefs, welche 
Darstellungen aus dem alten Testamente enthalten. Obwohl stark bescha- 
digt, sind der edle, klare Styl und die vorzügliche Raumbenutzuilg noch 
wohl zu erkennen. 
 SCIIJHULSY? giebt in seiner Gesell. d. bila- 
klärung des Grundgedankens. Vergl. dagegen 
antiqu. of Lincoln. London 1850. 
eine schöne Er- 
Memoirs of the 
K. V. S. 778. fg. 
Coukerell in den
        

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