Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1641018
Drittes Kapitel. 
Nordische Bildncrci der frühgothischen Epoche. 
377 
Tumba in 
Priester. 
kleinen 
Figürchen 
das 
Trauergefolge 
der 
Verwandten 
und 
Neben dieser lebendigen Anwendung der Steinsenlptur tritt auch in 
Deutschland die früher so schwungvoll betriebene Erz plastik für längere 
Zeit zurück. Wohl entstand im Anfange des Jahrhunderts das oben 
(S. 307) besprochene eherne 'I'aufbeeken des Doms zu Hildesheim; allein 
es gehört der Auffassung und Behandlung nach durchaus dem romanischen 
Style. Dagegen besitzt der Dom zu WVürzburg ein in frühgothischen 
Formen durehgeführtes 'I'aufbecken, insehriftlieh 1279 durch Meister 
Eckard von Worms vollendet. In acht Feldern, durch primitiv-gothischc 
mit Krabben geschmückte Giebelehen bekrönt, sieht man acht Scenen aus 
dem Leben Christi in einem Styl, der in den Gewändern der gut bewegten 
Ciestalten noch viel von dem vollen Schurunge des romanischen hat, aber 
sich schon mit den schlankeren Formen und der flüssigcren Linienführung 
des frühgothisehen verbindet. Bei der Verkündigung ist besonders der 
Engel in edler Haltung, das Gewand in weichen Falten behandelt. Bei 
der Geburt Christi liegt Maria vornehm auf dem Lager, während Joseph 
gemüthlieh auf hohem Stühle dabei sitzt und sich auf einen Stab stützt. 
Dann kommt die Taufe Christi, die gleich allen übrigen Seenen in wenigen 
Figuren einfach geschildert ist. Weiterhin Christus am Kreuz, dann dic 
Auferstehung, wobei die kleinen Figuren des Stifters und des Meisters, 
letzterer in einer Art, von Tunika, knien. Zuletzt die Himmelfahrt und 
die Ausgiessung des heiligen Geistes in bewegter Anordnung. Die Arbeit 
ist keineswegs roht), sondern sorgfältig und fleissig ausgeführt und nur 
die Köpfchen ermangeln eines lebendigeren Ausdrucks. 
Noch entschiedener hielten die Goldschmiede an den prachtvollen 
Formen des romanischen Styles mit seiner reichen Ornamentik und seinen 
vollen Gestalten fest. So an dem prächtigen Kasten der heiligen Jungfrau 
vom Jahre 1214 in der Kathedrale zu 'I'ourna y, mit kleinen Dar- 
stellungen aus dem Leben der Maria; so noch später 1247 an dem Schrein 
des heiligen Eleutherius in derselben Kireheiit), einem der prachtvollsten 
Werke dieser Gattung, mit trefflich ausgeführten Apostelstatuctten. Selbst 
noch im Jahre 1263 folgt man bei dem Suitbertuskasten in der Stifts- 
kirche zu Kaiserswerth dem älteren Style, während dagegen bei einem 
der reichsten Werke, dem lilariensehrein des lilünsters zu AaehenHt), 
Erzguss. 
Arbeih-n 
Galil- 
schmier 
S. 799 scheint mir das Werk etwas zu 
und v. llcfher, Kunstw. und Ger. d. M. 
"')Scl1nua.ve, G. d. b. Künste, V. S 
günstig zu beurtheilen. Vcrgl. Becker 1 
Taf. 19. 
H) Didron, Ann. archöul. Tom. XIV. 
i") Abgcb. in den M61. (Parchäol. I. T. 
und in E. 
ausän Wccrtlr, Denkm.
        

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