Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640989
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Drittes Buch. 
Salomo auf seinem 'I'hrone, und auf dem abgetreppten Rande des Giebcls 
sieht man die zwölf Löwen hocken, welche nach der biblischen Beschrei- 
bung die Stufen seines Thrones schmückten; darüber noch zwei grösscre 
aufrecht stehende Löwen, welche einen zweiten Thron zu halten scheinen, 
den auf der Spitze des Giebcls die Ilimmelslaönigin einnimmt. Das süd- 
liche Seitenportal giebt in neu hergestelltem Relief am Bogenfelde eine 
Schilderung des jüngsten Gerichts und an den unteren Wänden die Statuen 
der thöriehten und klugen Jungfrauen, letztere besonders anmuthig. Der 
Styl dieser grossen llIenge von Bildwerken, die zum Theil getreu restaurirt 
sind, kommt in Leichtigkeit und Anmuth den französischen Arbeiten nahe, 
zeigt aber in der gehäuften Anordnung, der gar zu reichen Gewandung 
und besonders in (lem Streben nach lebendiger Bewegung der Gestalten 
schon den Keim manieristiseher Behandlung. 
Das zweite grossc Denkmal sind die Sculpturen des Ministers zu 
Freiburg, einfacher und strenger im Styl, auch wohl um mehrere De- 
eennien alter, als die Arbeiten der Strassburger Facatle. Zunächst die 
Statuen der Apostel an den Pfeilern {des lllittclschiiiis, meistens gute, ein- 
fache Arbeiten, die mit der Vollendung des Sehiffbaucs vor 1270 entstan- 
den sein werden. Die Köpfe sind nicht eben fein oder bedeutend, die Ge- 
wänder aber bei flachem Faltcnwurf zum Theil schön metivirt. Dagegen 
sind die drei westlichen der NOlTlPßillLä arg manieristiseh im übertriebenen 
Styl des vierzehnten Jahrhunderts, gewaltsam benvegt und mit tief aus- 
gearbeiteten Faltcn auf den Effekt berechnet. Zum Allerschönsten unserer 
Epoche gehört jedoch wieder die grosse Madonncnstattle, welche am Ende 
des Sehiiies über dem Portalpfeiler angebracht ist, sammt den beiden 
leuehterhaltenden Engeln am ilaehstcn Pfeilerpaar. Flüssiger, feiner, 
freier bewegt als jene älteren, sind sie nicht ohne ein starkes Schmiegixn 
und Neigen, aber noch rein und naiv, den besten Arbeiten von Rheims 
verwandt. Dabei zeigen sie eine gewisse Fülle der Körperform und die 
lebendigste Motivirung der Gewänder. S0 wirft sich der Mantel der 
Madonna in grossgeschwungenen Linien, da sie sich nach links heraus- 
biegt, wo sie das Kind tragt. Die Gesichter sind offen, die Stirnen breit 
und der Mund zum gewohnten Lächeln verzogen. 
Demselbcn Style begegnen wir wieder in den Sculpturen des west- 
lichen Portals und seiner Vorhalle, einem der herrlichsten Denkmäler 
dieser Zeit. Das Tympanon des Portals enthält in mehreren Reihen 
von Reliefs unten die Geburt Christi und die Anbetung der Ilirten, sowie 
seine (iefangeunalnne und Geisselung; darüber eine ausführliche Dar- 
stellung des jüngsten Gerichts. In der Spitze des Tympanons der thro- 
nende Christus, von Engeln und den fürbittenden Ciestalten der Maria und
        

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