Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640928
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Drittes Buch 
beider sind fein gebildet, voll lieblieher Unschuld, Adam (lurcli Andeutung 
des Barttlaums (rharakterisirt. Der schöne Kopf der Kaiserin zeigt ein 
huldvolles Lächeln, der des Kaisers ist keineswegs ideal, sondern mit 
entsehiedenem Streben nach individuellem Gepräge, Petrus endlich ebenso 
kühn und energievoll wie Stephanus demüthig. S0 haben diese Statuen 
alle Vorzüge ohne die Mängel des neuen Styles. Der-selben Hand Inöchte 
ich auch die Statuen der Kirche und der Synagoge zuschreiben, welche 
zu beiden Seiten der goldenen Pforte am nördlichen Seitensehitf (vergl. 
S. 360) hinzugefügt wurden. Von ähnlicher Schlankheit, von ebenso edler- 
Schönheit zeigen sie dieselbe feine Charakteristik und nur in der Be- 
handlung noch weicheren Fluss, vollere Rundung. Die Kirche, deren Kopf 
in hoher, fast strenger Schönheit die Krone tragt, ist über dem langen 
Gewande in einen Mantel gehüllt, der in weitem NVurf von der linken 
Hüfte nach dem rechten etwas vertretenden Knie herabfallt. Die Syna- 
goge dagegen, deren edles Haupt eine Binde verschleiert, ist in einfacheres 
Gewand gekleidet, das in tiefen grossen Falten herabtliesst. Unter der 
Binde erkennt man deutlich die Form der Augen. In der Rechten hält 
sie den zerbrochenen Stab, die Linke lasst wie kraftlos die Gesetztafeln 
herabfallen. Die Feinheit der Ausführung ist hier so hoch getrieben, dass 
selbst die kleinen Faltchen der engen Aermel unter den Achseln auf's 
Zierliehste ausgedrückt sind. Nicht minder vorzüglich ist ein angestrengt 
zum Gericht blasender Engel und eine sitzende Gestalt Abrahams, der die 
lächelnden Figürehen der Seligeu in seinem Sehoosse halt; beide Werke 
allerdings unpassend und unsymmetrisch über dem Hanptgesimse ange- 
bracht. Offenbar wusste der Künstler mit diesem Uebersehuss seiner Com- 
Statue! 
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position keinen andern Ausweg und mochte die Gestalten doch nicht ent- 
behren, da das Tympanon ohnehin schon in gedriingtester Anordnung eine 
Darstellung des jüngsten Gerichtes erhielt. Sie ist ein kleines Meisterstüek 
von Raumbenutzilng, denn in der Mitte entfaltet sieh gross und feierlich 
die Gestalt Christi, von Engeln umgeben. Zu den Füssen des Thrones 
haben sich Maria und Johannes zu innigcr'Fiirbitte hingeworfen. In dem 
kleinen Raume. zwischen ihnen erblickt man mehrere, gut bewegte Figuren 
Auferstehender. Der übrige Raum ist geschickt ausgefüllt mit einer Gruppe 
Seliger, welche von Engeln empfangen werden, und einer Schaar Ver- 
dammter aus allen Standen, die ein Teufel grinsend zur IIölle schleppt. 
Hier ist der Ausdruck der Empfindungen die Klippe, an Welcher der 
Künstler scheitert, denn Selige wie Verdammte zeigen dasselbe stereotype 
Lächeln.   
Endlich gehört derselben Zeit eine Reihe vorzüglicher Statuen, im 
Innern an der nördlichen Scheidewand des (lstchers auf Konsolen ange-
        

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