Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640905
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Drittes Buch. 
Eimlringen 
des goth. 
Styles. 
bfluuen- 
rche zu 
Prier. 
der Maria, der Apostel und Evangelisten, aus deren Reihe mehrere zer- 
stört sind; darüber ein etwas späteres grosses Oruzifix nebst Maria und 
Johannes; ferner zur Seite der Altarnisehe unter reichen Baldaehinen die 
Ileiligen Barbara und Katharina, endlich an der Seite neben dem Altar 
eine grosse Darstellung der Verkündigung. Es sind fein in Stuck aus- 
geführte, reieh bemalte Arbeiten, die durch dies Material, mehr noch 
durch den Styl an die sächsischen Werke der romanischen Schlussepoche 
erinnern. Die Auffassung ist auch hier noch stark aaiükisirend, jedoch 
in dem freieren Sinne dieser Zeit, und von frischer Lcbensregung erfüllt. 
Die Apostelkölwfi! zeigen eine niannichfztltigc entschiedene Charakteristik, 
die jugendlichen sind besonders anmuthig in mildern Lächeln dargestellt. 
Vorzüglich liebenswürdig ist die Verkündigung; die thronende Madonna, 
zu deren Ohr sich die Taube niedergelassen hat, wendet sich aufmerk- 
sam dem Engel zu, welcher gar sittig herauschreitet. Die lürbauung 
der Kapelle scheint unter Ludwig dem Kehlheimer bis 123i. erfolgt zu 
sein, und dieser Zeit entspricht auch der Styl der Bildwerke. Derselben 
Schule gehören die aus Holz geschnitzten mit. Stuck überzogenen und 
bemalten Statuen Ludwigs des Kehlhcimers und seiner Gemahlin Lud- 
milla, welche sich in der Afra-Kapelle zu Landshut befinden. 
Wie die romanische Architektur, so vermochte auch die reife Blüthe 
ihrer Sculptur sich vor dem übermitchtig eindringenden gothisehen Style 
 Frankreichs nicht zu halten. Die erregte Empfindung der Zeit fand ihre 
Gedanken verständlicher und ergreifender in den ileuen energischen 
Formen ausgesprochen als in den noch so fein durchgebildeteu Gestalten 
des früheren Styles, der doch immerhin den wenn auch fernen Zusammen- 
hang mit der Antike nicht verleugnen konnte. So sehen wir denn in den 
ersten Decennien des dreizehnten Jahrhunderts den neuen Styl im Gefolge 
der Architektur eindringen und bald in den verschiedensten Gegenden 
selbständig geübt. Bisweilen eilt er sogar der Architektur voraus und 
tritt an Bauwerken auf, die noch ganz im romanischen Styl der soge- 
nannten Uebergangszeit ausgeführt sind. S0 zuerst an dem romanischen 
Portal der Liebfratienkirche zu Trier, einem der frühesten Gebäude des 
gothischen Styls in Deutschland, von 1227 bis 1243 erbaut. Das Bogen- 
feld giebt Scenen aus der Jugendgeschichte Christi, sodann die thronende 
Maria, von den drei Königen verehrt; die Archivolten enthalten die klugen 
und thörichtcn Jungfrauen, ItIeilige und Engel, Bischöfe und Kirchen- 
vater; an den Wänden ehemals sechs, jetzt noch drei Statuen, Welche 
die Kirche, die Synagoge und einen Ileiligen (larstellen. Die übrigen 
Theile der Facatle setzen (liesen Bilderkreis tbrt; an den Strebepfeilern 
sind als vorbildliche Typen die Opfer Abrahams und Noahs, an der
        

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