Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640848
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Drittes iäuch 
Sculpturcn 
NVcßyfalex 
Vorhalle zu 
ßlüuster. 
Apostel auf den Schultern tragen, ausgeführt. Auch hier herrscht noch 
dieselbe conventionclle Zierliehkeit und Schärfe der antikisirendcn Ge- 
wandung, aber die Bewegungen sind etwas freier entwickelt, die Gestalten 
klarer markirt in festcrem Schreiten, die ganze Behandlung ist etwas 
flüssiger, während doch dieselbe Grundlage und eine verwandte scharfe 
Charakteristik der Köpfe festgehalten wird. Bemerkenswerth ist bei 
dieser wie bei den besten der übrigen Arbeiten (lersclben Zeit die be- 
fangene vorwärts geneigte IIMiHUg des Oberkörpers, ein Zeugniss von 
architektonischer Gebundenheit. Die Arbeiten sind etwas jünger als die 
Reliefs der Chorschranken, aber sie stehen denselben noch sehr nahe. 
Der Umstand, dass sie den alten Styl nicht mehr in voller Schärfe aus- 
prägcn und doch den neuen edleren noch nicht gewommen haben, ist der 
Bcurtheilung dieser nicht zu unterschätzenden Werke tingünstig gewesen. 
Dieselbe etwas freicre Entwickelung und {iüssigere Behandlung erkenne 
ich endlich an den Reliefs im Bogenfelde des nördlichen Portals der Ost- 
seite. Man sieht die thronende Madonna, von Engeln umringt und von 
Heiligen, die in Bmst-bildem dargestellt sind, vcrchrtt). Diese Werke 
bilden, auf der Gränze der Epoche stehend, einen Uebergang' zu dem 
milderen Style des folgenden Zeitabschnittes.  
Weitere Beispiele von spittem Beharren bei romanischen Formen 
bieten sodann zwei ebenfalls bedeutende Werke von Westfalen, einer 
Provinz, die sich durch Festhalten an der Tradition immer ausgezeichnet 
hatte. Das eine sind die Statuen in der Vorhalle des südlichen Haupt- 
portals am Dom zu llliinstertt): (lreizehn grossartige Gestalten, noch in 
streng antikisirender WVeisc mit reich und mannichfach durchgebildetcn 
Gewändern ausgeführt. Die Köpfe sind charakteristisch entwickelt, aber 
die Figuren selbst kommen über eine gewisse conventionelle Auffassung 
nicht hinaus, die von den Ergebnissen des neuen Styles sich noch gar 
nicht berührt fühlt. Neben neun Aposteln sieht man die Heiligen Ilauren- 
tius und Magdalena, einen Kaiser und den Bischof Theodorich, der 1225 
den Grundstein zum Neubau gelegt hatte, aber die Vollendung desselben 
(1261) nicht mehr erleben sollte. So spät dies Datum Angesichts des 
strengen Styls der Bildwerke erscheinen mag, so wird es doch wohl unge- 
i) Sigharl, a. a. O. S. 257 H". giebt eine Beschreibung der Bamberger Sculp. 
turen, die nicht allein von Unriehtigkeiten wimmelt, sondern auch keine Spur von 
einer Entwicklungsgeschichte (lerselben enthält. Und doch hatte K-uglor in seinen 
K1. Schriften I. 154 ff. schon alles Wesentliche in kurzen treffenden Bemerkungen 
angedeutet! 
i") Vergl. meine Geschichte der mittelalt. Kunst in Vllcstfltlcil S. 132 fg. Ab- 
bildung zweier Apostel in E. Försteräv I) enkm. 
        

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