Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640838
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Welche Anhangliehkeit man noch innncr in den verschiedensten 
Gegenden Deutschlands dem älteren St-yle widmete, beweisen sodann die 
noch bedeutenderen Leisttmgen der fränkischen Schule im Dom zu B am- 
berg. Zunächst gehören hierher die Iteliefgestalten, welche in den Wand- 
nischen der Schranken am östlichen (Georgerr) Chor angeordnet sind. 
An der südlichen, wie an der nördlichen Seite sieht man je zwölf paarweise 
verbundene Apostel und Propheten, denen an der Südseite noch der 
h. Georg mit dem Drachen, an der Nordseite die Verkündigung hinzuge- 
fügt wird. Die Gestalten sind in einem aus antikisirender Ueberlieferung 
und naturalistischen Tendenzen merkwürdig gemischten Style durchge- 
führt. Nicht bloss die verschiedenen Köpfe zeigen das Streben nach 
charakteristischer Auffassung, sondern der Künstler sucht die ganzen 
Figuren dramatisch zu bewegen. Er stellt je einen Apostel mit einem 
Propheten zusammen, z. B. den König David mit dem Apostel Simon wie 
in lebhafter Unterredung begriffen, ganz so wie die Mysterienspiele des 
Mittelalters Propheten und Apostel in Weehselredcn vorführen. Einen 
sieht man im V0rwartssehreiten über die Schulter zurückblicken und seinem 
Nebenmann zum Nachfolgen Winken. Zwei Andere sind, während der 
Eine ebenfalls fortschreitet und siel1- umwendet, in eifrige Discussion ver- 
tieft, wobei der Gestus der Hände die Demonstration deutlich unterstützt. 
Aber in diesem Streben nach Lebenswahrhcit wird der Künstler durch die 
geringen Naturstudien und die Fesseln der Tradition gehemmt. Die Ge- 
wandbchandlung stützt sich auf die antike, wie sie der Bamberger Schule 
des elften Jahrhunderts so geläufig war; aber man bemerkt ein Haschen 
nach neuen Motiven, ein Haufen der Falten und flatternd bewegte Zipfel. 
Die Körper sind mehrfach ganz verrenkt, und nur in ruhiger Haltung wie 
bei der Verkündigung macht sich in erfreulicher Weise ein feiner Sinn für 
das Ausdrucksvolle der Bewegung, namentlich der Arme und Hände 
geltendH). Die genaue, allerdings etwas harte Ausführung zeugt eben- 
falls von ernstem künstlerischen Streben. Die Entstehungszeit dieser 
Arbeiten wird in den Beginn Lies dreizehnten Jahrhunderts zu setzen sein. 
 In unmittelbarem Anschluss an dieselben wurden sodann am Haupt- 
portal des nördlichen Seitenschiffs die Statuen der Propheten, welche die 
Dom zu 
Bamberg. 
Ü Ich urtheile nach den Zeichnungen, welche den Bericht H. v. lüilvllzvrgvri; 
im Jnhrlnuzll d. W. Ccntr. Colnxn. I. Bd. ISFvG begleiten. 
w.) VergL die Abb in Kuglm-Zs K1. Sehr. 1. S. 154 und 155, sowie in  
Geseh. d. D. Kunst. I. zu S. 98 und in dessen Denkm.
        

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