Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640777
Drittes Kap 
Nordische Bildnerei der frühgothischen Epoche. 
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gefalteten Händen, während der Andere seine Krone (larreicht. Hinter 
ihnen zwei anmuthige Engel mit Weihraueligefassen, unten zwei andere 
kniecnd mit 'l'üc,hern, die sie ausbreiten. Interessant ist die Beobachtung, 
wie der Künstler hier bei mässigeren lilitteln einen Auszug aus den grossen 
plastischen Cyklen der französischen Faeatlen zu geben, und wie sinnig 
er dabei auf den dortigen Styl einzugehen wciss.  
Dersclbe neue Styl spricht sich nun auch in den Grab denk mälern 
ans. Der ideale Sinn der Zeit begnügt sich selbst hier mit einem allge- 
meinen Typus, der in der Regel das Gepräge jugendlicher Anmnth trägt, 
während ein schärferer Ausdruck des Individuellen noch nicht verlangt 
wird. Zu den frühesten dieser Arbeiten gehören mehrere Grabsteine in 
der Abteikirche zu Fontevrattilti"), welche den Uebergangans dem älte- 
ren Styl in die neue Auffassung mit festen Daten belegen. Der Grabstein 
Heinrichs II. von England (T 1189) zeigt noch die schlichte aber edle 
Auffassung romanischer Zeit in klaren, straffen Falten, in strenger Hal- 
tung mit dem ruhigen rXnstlruek des Schlunnners; die Hand hält, wie im 
'I'rau1ne, auf der Brust das Seepter. Aehnlieh erscheint Heinrichs (temalin, 
Eleonore von Guyenne (T l 204), in Haltung und (äetvzmdung noch ziemlich 
eonventionell, die feinen Züge ebenfalls in stillem Schlummer, beide Hände 
auf der Brust gekreuzt, und nur der Wurf des Mantels zeigt ein noch 
mühevelles Streben nach lebendigeren Motiven. ln dem (Jrabmal von 
Richard Löwenherz (T 1199) ist dagegen die Gcwandung wieder einfacher, 
der Körper in schlanken Verhältnissen, der ziemlich kleine Kopf mit wei- 
chen Zügen; das Scepter hält er mit beiden Händen vor sich. Einen 
interessanten Beweis für die künstlerische Freiheit, mit der man das Indi- 
viduelle behandelte, bietet der Grabstein desselben Königs in der Kathe- 
drale von Rouen, wo die Gestalt, in demselben strengen einfachen Styl 
behzmdelt, ganz andere, viel gcclrimgenere Verhältnisse und einen grösse- 
ren Kopf zeigt, als dort. Ganz ähnlicher Art ist ebendort das Grabmal 
eines Erzbischofs Moritz in einer Nische, deren Bogen von kleinen bemal- 
ten Engelfiguren umgeben sind. Wie sich geringere Künstler noch um 
diese Zeit im Versuch nach einer freieren Brehandlung gelegentlich frucht- 
los abquätlten, zeigt in Fontevrault der Grabstein der Isabella von 
Angonleme, Gemalin Johanns von England (T IQIS). Die Falten des Man- 
tels sind ohne Verständniss hin und her gewunden, auch der Kopf ist sehr 
schwach in der Zeichnung; die Hände halten ein Gebetbin-h. Während 
alle diese Gestalten noch sehlunnnernd dargestellt sind und (ladurch eine 
Parallele zu der befangencn Haltung der Portalstatnten der älteren Zeit 
G rab- 
rlenkmale. 
ntevrault. 
1) Ab 
in I)idron's Ann. 
archöol. 
Tom. 
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lnstik. 
der P
        

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