Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1637430
Erstes K; 
und seine Nobczllfuldcr. 
meisten (iortigen Erzeugnisse eben so hoch (intwickclt, wie ihr geistiger 
Gehalt niedrig, ihr Schönheitssinn beschränkt und selbst vcrzwvickt 
erscheint.   
Alle diese Wahrnehmungen lassen sich vorzüglich an den massen- 
haften Bronzewerk e11 machen, in (leren IeIe1'vorbringung, neben Indien, 
Java lllld Pegn, die Chinesen und Japanesen grosse hleisterschaft erlangt 
haben. Man findet in enropäiisclien Schlössern und Museen solehc Ar- 
beiten in grosser Menge. Zunächst sind es kleine Götzenbiltler, phan- 
tastisch und geschmacklos bis in's Aberwitzige und Ih-atzcnhaile; 
(laneben allerlei abenteuerliche, fabelhafte Thierbilder. Besonders be- 
liebt sind darunter die Schildkröten, die mit einem langen wunderlichen 
Büsehelschwveif Versehen werden. S0 weit hier die Naturformen einfach 
nachgebildefsind, überrascht uns eine treue und oft lebendige Auf- 
fassung des wirklichen Lebens in Thier- und Pflanzengcstalten. In an- 
ziehender Weise tritt dies bisweilen bei japanesischen Gefassen hervor. 
Namentlich findet man eine Gattung von Leuchtern, deren schlanker 
Schaft durch den schmaehtigen Körper eines hochbeinigen und lang- 
halsigen Wasservogels vertreten wird. Während das storchartige Thicr 
über eine Schildkröte hinwegschreitet, deren breite Masse dem (lefass 
als passender Fuss dient, halt es in1 Schnabel eine eben ausgerupt'te 
Wasserpflanze, die mit langen Ranken sich um den Hals des 'l'hieres 
windet, und mit ihrem weit geöffneten Blüthenltelche dem aufzusetzen- 
den Lichte die Unterlage bietet. Wo aber dieser Naturalismus verlassen 
wird, da verfällt die japanische Kunst bei ihren Gerathbildungen in 
allerlei Unsehönheit. Die Becher, Rauehergefässe und Vasen sind plump 
und se-hwerfallig, breit und platt ausgebaucht, die Profile schwulstig und 
die Gliederung roh; dazu kommen widerwärtige, fast gespenstisch wir- 
kende Fratzen als ungefälliger Schmuck. 
Schon hier gemahnt es uns an die Grenzen, die den1 orientalischen 
Kunstgciste gesteckt sind. Ein Aufsehwingcn in's Reich freier Schön- 
heit ist ihm versagt. Er haftet entweder an der naturalistisellen Nach- 
ahmung, oder fallt in zügellose, selbst fratzenhafte Uebe1'sc.lnv5i11glichktrit. 
Unfähig sich zu geistiger Freiheit zu erheben, bleibt er ein Sklave der 
Natur und seiner eignen Phantastik.
        

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