Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640707
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Drittes Bm 
kurzen Körpern, dass das Missverhältniss grell hervortritt und die 
dichte Nachbarschaft mit andern Werken von höchster Schönheit sehr 
auffallend wird. Und doch sind die Köpfe an sich gut und lebendig 
(lurchgcführt. Wie verschiedene IIände aber an demselben Portale ar- 
beiteten, sieht man an den zwei und vierzig kleinen sitzenden (le- 
stalten von Bischöfen, Königen und Ileiligen, welche in drei Reihen 
die Hohlkehlen der Archivoltcn füllen. Sie sind (lurchgäingig von be- 
zaubernder Schönheit, Würde und Anmuth, die Köpfchen köstlich 
und fein, die Stellungen vielfach wechselnd, die Gewänder herrlich ent- 
wickelt und manniehfzich motivirt, so dass keine geistrcicheren Variatio- 
nen eines so einfachen plastischen Themas zu denken sind. Das Tym- 
panon zerfällt in fünf Relicfstreifen, in deren oberstem der throneiuie 
Christus zwischen zwei anbetenden Engeln erscheint. In den unteren 
Feldern ist die Geschichte des h. Remigius in höchst anziehenden Reliefs 
mit zierlichen Gestalten lmd klarer Anordnung und lebendigem Aus-- 
druck geschildert. 'I'refflich ist z. B. die Scene wie der Bischof mild, aber 
ernst und bestimmt (lrei Teufel zurückweist und ihnen auf dem Fussc 
nachfclgt, während sie im FliCllßll nicht ohne Humor ihn angrinsen 
und ein kleiner Teufelsprössling sich am Knie des einen festhält, um 
nicht zurück zu bleiben. Solcher frischen, naiven Züge ist überall 
eine Fülle. 
Am Nebenportal enthalten die rechtwinklig vertieften Wände 
jederseits drei Ileiligengestalten, deren Gewänder in übertriebener Fein- 
heit der Detaillirung gänzlich der Antike nachgebildet sind und einen 
interessanten Vergleich mit der so verwandten und doch so grundver- 
schiedencn Gewandung der übrigen Werke (licsci- Zeit gewähren. Die 
Köpfe sind etwas hart aber doch würdevoll, die Verhältnisse der Körper 
dagegen wieder auffallend kurz und unglücklich. Alles das wird aber 
reichlich aufgewogen durch die grosse Christusstatue am ltlittelpfeilerf") 
'ein Werk von solcher Schönheit, dass man es als die feierlichste plasti- 
sche Schöpfung der gesammten Zeit bezeichnen darf. Hier ist völliges 
Verständniss und DBWUDÖGHISXVÜTCligG Durchführung der gesannnten Form 
in untadeligen Verhältnissen, dazu eine Herrlichkeit in dein milden klaren 
Ausdruck des Kopfes, der vom Haar in weichen Wellen urntlossen wird,  
der göttliche Ernst des erhabensten Lehrers von lautrer Aninuth verklärt 
erscheint. Die rechte Hand ist erhoben nnd die drei vorderen Finger 
ausgestreckt, die Linke hält die Weltkugel Ulld damit zugleich den von 
in den Denkmälern der Kunst Taf.
        

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