Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640671
D ritte s K: 
Nordische Bildnere 
der früllgothisul 
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statuetten in den Arc-hivolten sind überaus lieblich, trefflich gewandet und 
manniehfaeli bewegt.  
Seine höchste Schönheit und Pracht (entfaltet der neue Styl je- 
doch an der Fagade der Kathedrale zu Rheims, deren reiche Aus- 
sehmüekung den letzten Decennion des Jahrhunderts angehören wird. 
Hier ist nicht blos an den drei gewaltigen Portalen Alles mit plastischen 
Gestalten bedeckt, sondern die Flachen der Strebepfeiler, der Wimperge 
über den Portalen, des hlittclsehitfs über dem grossen Radfenster sind mit 
Reliefs, die Baldaehine der herrlichen das Ganze krönenden Galerie, sowie 
der Strebepfeiler mit Statuen geschmückt, so dass die Architektur hier 
fast völlig in die glänzendste Plastik aufgelöst erscheint. Hier ist alle 
Würde und Anmnth des Styles zu wahrhaft klassischem Ausdruck gelangt. 
Dennoch erkennt man selbst hier in einem der liieisteriverke der Zeit eine 
überaus verschiedenartige Behandlung. Es giebt schwere, kurzlcibige Sta- 
tuen mit plumpen Köpfen vom stumpfesten Ausdruck, noch völlig wie die 
älteren Werke von (lhartres; andere sind von elegantester Schönheit, 
voll Adel und weicherAmnuth, in schlanken Virrhäiltnissen und prächtigem 
Wurf der plastisch behandelten Gewänder, von anziehender Freiheit 
in den Bewegungen, von lächelnder Holdseligkeit und mildverklärter 
Würde in den Köpfen; noch andere sind itberlang, ungeschickt in den 
Nierhältnissen, mit kleinen grinsenden verzwiekten Köpfen, mit überzier- 
liehen Bewegungen. Erkennen wir in diesen die manieristisehe liebertrei- 
bung, mit welcher geistlose Arbeiter den Styl ihrer besseren Zeitgenossen 
nachzuahmen suchen, so erscheinen jene plumperen Statuen als Werke 
von Künstlern, die hinter der Entwicklung zurück geblieben, von der 
typischen Starrheit der älteren Zeit sich nicht völlig loszureissen ver- 
mögen. Dass man aber bei der ungeheuren Masse von Bildwerken, welche 
die Zeit verlangte, die verschiedensten künstlerischen Kräfte benutzen 
musste, ist selbstverständlich. Doch erscheint das Schöne und Gelungene 
hier überwiegend.  
Schon die Anordnung ist von höchster Grossartigkeit. Die ganzen 
Wandtläichen der drei Portale und der sie einralnnentlen Strebepfeiler sind 
als eine nnuiitcrbrochene Galerie überlebensgrosser Statuen behandelt, 
(leren im Ganzen vierunddreissig sind. Dazu kommt am Mittelpfeilei- des 
llauptportales die Madonna, der man hier schon den ersten Platz einge- 
räumt hat, während sie zu Paris und Amiens sich noch mit einem Neben- 
pertal begnügen musste (Idig. 1524 rechts). Sie gehört nicht zu den besten 
der Zeit, hat übersehlanke Verhältnisse und im Gesicht hat das Streben 
nach Aunnnth zu einem leeren Lächeln und etwas gekuitfenen Zügen ge- 
führt. Die Gewandung, obwohl im 1-Iauptmotii' gut, ist etwas zu künstlich
        

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