Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640661
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rischen Auffassung zu freieren Formen durehzudringen, glückliche Erfolge 
gehabt, die mehrfach in grosser Weichheit und in feinen Verhältnissen 
sich ausprägen. Die Reliefs am Tympanen, Christi Geburt und die A11be- 
tung der Könige darstellend, sind von geringerer Bedeutung. 
Das rechte Nebenportal endlich hat ebenfalls sechs gresse Statuen, 
die in Anmuth und zum Theil in frei entwicvkelter Bewegung und klarem 
Ausdruck der Empfindung wieder die Ilöhe des Styles erreichen. Im 
dlympanen sieht man Verschiedene Reliefs, (larunter Engel und Teufel um 
einen Sterbenden streitend, im oberen Felde wieder die Gestalt Christi. 
Fasst man Alles zusammen, so enthalten die Hauptportale an beiden 
Facaden die ältesten plastischen Werke, initer denen wieder die des nörd- 
lichen durch primitivcre Erscheinung an die früheren Arbeiten der West- 
fztcade anknüpfen. Der Weitere Schmuck der Seitenportztle ist dann all- 
mählich in wachsender Uebung und grösserer Sicherheit hinzugefügt, und 
endlich haben in durehgebildeter Meisterschaft und glänzender Schönheit 
die Seulpturen der Vorhallen den Beschluss gemacht. 
Den vollendet entwickelten Styl Enden wir zuerst an den Statuen 
der von Ludwig IX. gestifteten und von Peter von Montereau (11245-48) 
erbauten Sainte (lhapelle zu Paris. Hier ist in den Apostelstatuen und 
den kleinen Engeliiguren des Innern jeder Anklang an die Herbigkeit des 
früheren Styles verschwunden, der Ausdruck kirchlicher Würde niit freier 
weltlicher Anmuth völlig verschmolzen, doch so, dass letztere bisweilen 
über erstere den Sieg daventrtigt. Denn hier tritt zum ersten Mal nach- 
weislich jene Vorliebe des neuen Styles zu Tage, durch starkes Einziehen 
der einen Seite und entsprechendes Ilerausbiegen der anderen Seite des 
Körpers den Gestalten den Ausdruck leichtester Bewegung, elastischen 
Sclnvunges zu geben und die Figuren gleichsam in einer kühnen Diagonale 
gegen die strengen senkrechten Linien der Architektur aufschiessen zu 
lassen. Das Alles zeigt sich ursprünglich in naiver Empiinrlung und 
feinem künstlerischen Gefühl, birgt aber in sich einen Keim des Theatra- 
lisehen und Uebertriebenen, der in der Folgezeit üppig aufgehen sollte. 
An diese Werke sehliessen sich die Seulpturen des nördlichen Kreuz- 
sehitfportales von Notre Dame zu Paris, die der zweiten lrlälfte des 
Jahrhunderts angehören. Hier sieht man am Mittelpfeiler eine der schön- 
sten Madoruienstatuen, schlank, fein und graziös, der Mantel in leichtem 
Faltenwurf emporgezogen und unter dem rechten Arme festgehalten, ein 
in der damaligen Kunst beliebtes Motiv, das eine prächtige Entwicklung 
der Draperie gewahrt; der Kopf mit dem feinen typischen Lächeln. Die 
Reliefs im Tympanon geben in ansprechend einfachem Styl die Geschichte 
der hladonna in fortlaufender Reihe, sinnig und gemüthlieh. Die Engel-
        

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