Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640659
Drittes Kapitel 
Nordische Bildnerci 
der friihgOthisu] 
1eu Epoche. 
541 
Baldachinen sechs königliche Gestalten angeordnet, die einen ungleich 
cntxtickclteren Styl voll Adel und Schönheit zeigen. Das linke Seiten- 
portal enthalt wieder acht grosse (icstalten, darunter zwei ritterliche. 
Am 'l'_yn1panon über einem ausführlichen Relieffrics die stehende Gestalt 
Christi von zwei knienden Engeln verehrt. An den Anssenpfeilern wieder 
eine hlengc kleiner Reliefdztrstellnngcen thistorischcr und legendarischer 
Art; an der Ausscnseite auch hier sechs königliche Gestalten, (larunter 
David mit der Harfe. 
 Während also die ganze südliche Halle cln-istliclt historischen Inhalts 
ist und in dem jüngsten Gerichte gipfelt, enthält die nördliche als 
itlittelpunkt das Leben der Maria, welchem eine Schilderung der vorehrist- 
liehen Zeit von der Schöpfungsgeschichte bis zur Vertreibung aus dem 
Paradiese, dann ein Ueberblick über das gesammte Naturleben veraufgeht. 
Dazu gehört nach der Auffassung des Mittelalters die Darstellung der M0- 
nate mit den sie begleitenden Arbeiten, dic 'l'hä.tigkeiten der Wissenschaf- 
ten, Künste und Handwerke, endlich eine grosse Anzahl von Tugenden, 
oder vielmehr von geistigen und sittlichen Eigenschaften. Der Styl der 
Gestalten zeigt hier eine viel auffallendere Verschiedenheit als an der 
Stidhalle. Einige sind schlaff, handwerksmassig mit phnnpen Köpfen, 
schweren stumpfen Gesichtern; andere, so namentlich die Itladonna, mager, 
starr, noch sätulenartig, so dass hier Nachklünge des älteren Styls der 
Facadenscnlpturen hart neben den ersten noch rohen Versuchen des neuen 
Styls sich finden. Wieder andere, namentlich die Statuen der Tugenden f), 
sind ebenso schlank, edel und leicht bewegt in freier Durehbildung, wie 
die zw-ölf Künigsgestalten am Aeussern der Südhalle. 
Am IIauptportal hat der lllittelpfeiler die strenge Statue der Ma- 
donna mit dem Kindc, zwölf andere Gestalten zu beiden Seiten geben vor- 
bildliche Typen aus dem alten Testamente. So Abraham, der den gebun- 
denen Isaak hält; Melchisedech mit dem Kelch, Moses mit Säule und 
Gesetztafehl, Johannes mit dem Lamm, Simeon mit dem Christnskind auf 
dem Arme. Im Tympanon wird Tod, Grablegung und Krönung der Maria 
geschildert, in den Archivolten ist durch viele sitzende Statuctten von 
Königen und Patriarchen der Stammbaum der Jungfrau angedeutet. Die 
Wände der Halle sind hier ganz durchbrochen und in glänzende Bündel- 
saulen aufgelöst, welche die frei bewegten, edel entwickelten Statuen von 
Tugenden tragen. Dagegen sind die Archivolten hier ohne bildnerischen 
Schmuck. Am linken Nebenportal sind sechs Statuen, (larunter mehrere 
weibliche angebracht. In ihnen hat das Streben aus der streng statua- 
N ü n 
K m 
Uichex- 
warm. 
lcn Dcuklnäilcrn der Kunst 'l'uf. 
Fig"
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.