Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640649
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Dri ttcs Buch. 
deutlich den versehiedenen Standpunkt der einzelnen ausführenden Künst- 
ler unterscheidet. 
Nirgends ist der Uebergang vom alteren strengen Styl zum frei ent- 
wickelten so deutlieh in seinen verschiedenen Stadienmu verfolgen wie 
an den Seulpturen der Qlierscliitlgiebel der Kathedrale zu Chartres. 
die allem Anseheine naeh vor (ler Mitte des Jahrhunderts ausgeführt 
wurden. An der nördlichen wie an der südlichen Faeatle sind (lrei Portale 
angelegt, die sieh mit ihren Vorhalten zu einem (tanzen von grossartigster 
Wirkung verbinden. Wenn in Bourges und le Maus solche. Kiorhallen 
noch rein arehitektoniseh behandelt waren, so hat hier das plastische 
Streben der Zeit den ganzen Bau der Bildnerei unterwvorfen und in Seulp- 
turen aufgelöst.  
Das Hauptportal der Südseite hat am Mittelpfeiler eine gress- 
artige Christusstatue, in der Linken das Bueh haltend, die rechte Hand 
erhoben, an den beiden Seitenwänden die Statuen der Apostel. Im Tym- 
panon ist das Weltgericht dargestellt; Christus thront in feierlicher 
Strenge, von Maria und Johannes sowie von Engeln mit den Leidens- 
werkzeilgen umgeben; darunter sieht man einen Zug der Seligen und der 
Verdammten. Heilige, Engel, Auferstehenrle sind in die Arehivolten ver- 
theilt. Der Styl ist noch durchweg streng, gebunden, feierlich, die Ge- 
xxiandung antikisirend, häufig mit knappen flachen Parallelfalteii, die Köpfe 
herb und schwer, das Haar hart und steif behandelt. Man sieht, wie 
die Künstler noch von den älteren Werken der Fagade abhängig sind. 
wie aber bei aller arehitektenistzliexl Gebundenheit ein neues Leben (lurch 
sprechende  der hletive sieh auspräigt. In den wirsprin- 
genden Pfeilern und Bogen der tiefen Vlelalle sind kleine sitzende Figiirelien 
von Königen, (lreiseu und Jiinglingen angebraeht, letztere meist paar- 
weise Verbunden. An den Portalreliefs bemerkt man Spuren von Be- 
malung. X 
An dem rechten Seitenportal sind äLCht Statuen ven Bischöfen und 
echt (leistliehe mit Büchern und Stäben in demselben strengeirStyl ange- 
bracht. Die Köpfe sind scharf und etwas trocken in mühevellein Streben 
nach individuellem Gepräge. Im Bogenfelde ist in zahlreichen Reliefs die 
Legende eines heiligen Bischofs, wie es scheint des hIart-inus geschildert. 
Auch hier ringt die Kunst in anziehender Frische nach Leben und Aus- 
druck. In dem oberen Felde sieht man wieder den thronenden Christus. 
Eine Anzahl von sitzenden Gestalten füllt die Arehivolten. Die Pfeiler 
und Bogen der Halle sind mit kleinen Reliefs bedeckt, welche selbst die 
Aussentläehen der Pfeiler völlig überziehen. Sie enthalten theils Einzel- 
ligürehen, theils legendarisehe Seenen. An der Aussenseite sind auf
        

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