Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640619
Drittes Kapitel. 
Bildnerci der frühgothisehen Epoche. 
N ordischc 
33T 
Mit (liesen gesteigerten illittehl hatten die Künstler "einen nicht 
minder reit-h entwickelten Irleengehalt auszudrücken. Was die Seholastik 
in tiefsinnigei"Durchdringung der Heilslehre als grossartiges dogniatisehes 
Gebäude hingestellt, was die von der Kirche ausgegangene dramatische 
Kunst in den Mysterien dem Volke in lebenden Bildern vorgeführt hatte, 
das wurde nun auch an den Portalen und Vorhallen der Kathedralen aus- 
gemeisselt. Den Mittelpunkt bildet stets die Geschichte der Erlösung, 
welcher als Gegenstück die Darstellung des Sündenfalles voraufgeht. Den 
Seenen des neuen Testamentes werden umfassender als je zuvor die ent- 
sprechenden Vorgänge des alten Testamentes gegenübergestellt. Neben 
Christus und den Schaaren seiner Apostel und Heiligen machen sich die 
ausdrucksvollen Gestalten der Patriarchen und Propheten geltend. An 
Seitenportalen findet die Xierehrmig der Madonna ihren Ausdruck. Nicht 
bloss ihr Leben und ihre Verherrlichung, sondern ihre Beziehung zum Er- 
lösungswerk bildet hier den Grundgedanken, cier gleichfalls durch Ge- 
stalten und Seene-n des alten 'l'esta1ne'ntes vorbildlich anschaulicher 
gemacht wird. In (lritter Reihe fehlt dann an einem andern Seitenportalc 
nicht die Geschichte des besonders verehrten Schutzheiligen der Stadt 
oder des Stiftes. Zu alledem gesellen sich Darstellungen des ganzen 
ilatürlichen und geistigen Lebens, der Kreislauf des {lahres mit seinen 
Arbeiten, die Wissenschaften und Künste, selbst die Xierguügungen der 
Menschen, so dass Alles in unmittelbare Beziehung zum Grundgedanken 
gesetzt, in Allem das "Wirken Gottes auf Erden" veranschaulitßht wird. 
So geben diese grossen Symb0liSCll-lliSt0l'iSCllOll Bildkreise die Summe 
des Glaubens und Wissens ihrer Zeit. 
Endlich findet auch der Humor seine Stätte, zunächst wie früher 
in mancherlei originelhin Gebilden an Konsolen und wohl auch noch an 
Kapitalen, sodann vorzüglich an den Wasserspeiern, den Ausguss- 
rühren der Dachrinnen, welche als phantastische Drachen-, 'I'hier- und 
Unthie1'-G-estalten, als seltsame Fratzen, uunderliche Menschenfigureii, 
oft in possenhaften Stellungen] und Grimassen gebildet werden. Die Phan- 
tastik, die den Völkern des Nordens im Blute steckt, und in jener Zeit 
sich unbefangen als grobe, selbst unllätige Possenreisserei sogar in die 
kirchlichen lilysterienspiele eindrängen durfte, suchte und fand in jenen 
abenteuerlichen Gestaltungen ihren Ausdruck. 
Frankreich. 
In den n ordöstlichell Provinzen  können wirmit dem 
Beginn des '13. Jahrhunderts das erste Auftreten (lieses Styles naclnveisen. 
Liihk n, (ävsr-h. der Plasiik. 22
        

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