Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640598
Drittes Kapitol. 
Nordische Bil: 
lnerei der frühgothischcn Epoche. 
335 
menschliche Gestalt die Saurhe dem architektonisch gebildeten Künstler 
zu erlcitwhtern suehtt). Dies stellt sich uns freilich als ziemlich willkür- 
liches Verfahren dar: aber es giebt uns Aufschluss darüber, warum die 
zahllosen Statuen jenerZeit so sicher stehen, so fest in ihrem Sclnverpnnkt 
ruhen und vor Allem, warum in ihren Bewegungen trotz der oft stark aus- 
gebogenen Haltung ein so glücklicher Rhythmus und solches Gleichgewicht 
herrschen. Denn wir finden hier eine vielseitige Anwendung jenes Gesetzes 
der Seulptur, das die Italiener neontraposto" nennen, und welches in spit- 
terer Zeit bekanntlich in der Plastik eine grosse Rolle spielt. Es gewährt 
einen eigenen Reiz zu sehen, wie sicher Villard sieh in seinen Zeichnungen 
bewegt, und wie gewandt er sein System auf die verschiedensten Gruppen 
anwendet. Im Bewusstsein seiner flotten Zeichenkunst sehriekt er selbst 
vor den schwierigsten Stellungen nicht zurück, und wie er einmal den 
Löwen von vorn zeichnet, so stellt er ein andermal (Taf. 45) einen zu 
Pferde steigenden Ritter so dar, dass das Pferd in der Vorderansicht 
erscheint. Ueberhaupt enthält sein Buch eine Anzahl von Genrescenen, 
die ilieht lebenswaln'er aufgefasst sein könnten. S0 sieht man ein paar 
Würfelspieler, Scenen des Ringkztmpfes, Gaukler in ilerschiedenen Pro- 
duetionen, Ritter und Dame in zierlicher Unterhaltung u. s. w. Einmal will 
er Anleitung geben, wie die Höhe eines Thurmes (lurch Visiren zu ermitteln 
sei, und zeichnet dabei den Visireilden ganz vortreiflicli in winzigem 
Massstabe. 
Wir sehen an diesem einzigen auf uns gekommenen Beispiele, wie 
strebsaln, wie vielseitig die damaligen Künstler waren, weleh frische Em- 
pfängliehkeit sie für Alles besassen. Aber das Leben, das sie umgab, war 
auch dazu angethau, ein künstlerisches Auge zu begeistern. Es war 
überall anmuthiger, geschmeidiger geworden, die Sitten waren milder, man 
legte WVerth auf Schönheit des Aeussern, auf ein feines ritterliehes Be- 
nehmen. Die 'l'raeht der Geistlichen und der Laien hielt noch an den 
Grundzügen der Antike fest, liess wie jene den Körper klar hervortreten 
und sieh in edler Bewegung frei entfalten; aber der barbarische Prunk 
hyzzuitiniseller Hefgewiinder, die mit Stickereien und Edelsteinen überla- 
den wvareu, verselnviildet und findet nur noch an gewissen Stellen des 
geistlichen Plaie-hternats besehriinkte Anwendung. Dagegen {iiesst in 
langen schönen Linien, die auf einen geschmeidig vreiehen Stoff hindeuten, 
die ritterliche Tracht, bei Herren und Damen ziemlieh übereinstimmend 
ein faltenreiehes Untergewand, über den Ilüften durch einen Gürtel be- 
Das iiussel 
Leben. 
,Ci commence li 
force des 
portrai tnre 
trais 
li ars de ion 
xetrie les 
cnseigne 1.1 
legierex 
xent ov:
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.