Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640515
Zweites Kap 
Dic byzantinisch- 
-ro1naniscl1e Epoche. 
327 
(lieser Epoche eine Ausbildung, (leren Grundzüge und Details sich den 
ltlustern der klassischen Vorzeit mit selbständigem Gefühl glücklich an- 
sehliessen, während in der begleitenden Plastik meistens eine unerfreuliche 
Rohheit und leerer Sehematismus herrschen. Vor der Mitte des Jahr- 
hunderts wird sich schwerlich irgend ein erhebliches Bildwerk in Toskana 
nachweisen lassen. Eine der frühesten Arbeiten sind die Reliefs am 
Taufbecken in S. Frcdiano zu Lucca, wie es scheint vom Jahre 1'151, 
inschriftlieh das Werk eines Meisters Robertus. Die Darstellungen, sehr 
leblos und roh, in starrer, missverstandener Nachbildung der Antike 
befangen, enthalten den Untergang Pharao's im rothen Meer, die Ver- 
leihung der Gesetztafeln an Moses, sodann mehrere scliwerverstäiiidliehe 
Seenen und sieben einzelne Heiligengestalten. Am Portale von S. Andrea 
zu Pistoja führte sodann ein ltleistcii- Gruanzmzr im J'ahre 1166 ein 
unbedcutendes Relief der Anbetung der Könige aus, und ebendort an 
S. Giovanni fuoricivitas um dieselbe Zeit ein Abendmahl am Thürsturz 
des Nordportals in unglaublich plumpem Style. Nicht besser sind die Re- 
liefs am Portal von S. Salvatore zu Iiueea, Seenen aus dem Leben des 
heiligen Nikolaus enthaltend, welche von einem Meister Biduinzls ge- 
fertigt wurden. Von (lemselben rühren auch die Darstellungen der Auf- 
erweekung des Lazarus und des Einzuges Christi in Jerusalem, in 
S. Casciano bei Pisa, welche, von 1180 datirt, trotz der lobpreisen-i 
den Inschrift eine trostlose Armuth und Rohheit verrathen. Fast ebenso 
ungefüge sind die Kanzel-Reliefs in S. Leonardo zu Florenz, doch be- 
lebt hier in derDarstellung der Kreuzabnahme (Fig 123) ein Hauch tiefe- 
rer Empfindung die Compositionft) Maria und Johannes, welche in inniger- 
Trauer die Hände des Erlösers ergreifen, um sie mit ihren Küssen 
zu bedecken; Nikodemus, der voll sorglicher Pietät den Leichnam in 
seine Arme aufnimmt, die beiden Engel, welche wehklagend am Himmel 
erscheinen, und endlich der Mann, welcher energisch angestemmt die 
Nagel aus den Wundmalen der Füsse zu ziehen sucht, das Alles sind 
überraschende Züge eines erwachcnden Gefühls. Um dieselbe Zeit gegen 
Ausgang dieser Epoche tritt dann auch in Pisa eine gesteigerte Thätig- 
keit der Plastik hervor. Das Ostportal des inschriftlicli 1153 begonnenen 
Baptisteriums enthält einen (Iyclus von Bildwerken, Darstellung der Mo- 
nate, der Taufe Christi und Anderes, welche durch höhere Lebendig- 
keit sich vortheilhaft auszeichnen. Anderes Achnliehe am nördlichen 
Lncca- 
Pistoja. 
Lucca. 
Casciano. 
Florenz. 
Portale. 
Fig- 
4') Ahh. bei E. Förster, Beiträge Zllf neuem Kunstgesch. 
2., dem unsere Abb. entlehnt ist. 
(Leipzig 1835) Taf.
        

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