Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640501
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Drittes Buch. 
und eines Leviten in steifer typischer Strenge; ebenso streng stylisirt 
erscheinen die Löwen, auf welchen der aus demselben röthlichen lllarmor 
gearbeitete "Paufstein ruht, während die zierlichen Arabcskenrankeli, 
welche das Becken schmücken, elegant und lebendig sind. 
Ziemlich roh ist dagegen der Styl der iiltern Seulpturen an der Fagade 
des Doms zu Piaeenza, welche inschriftlich 1122 begonnen wurde. 
Am Hauptprortal sind die Zeichen des 'l"hierkreiscs, in der Mitte die 
Hand Gottes dargestellt. Am südlichen Portal sieht man über dem Thür- 
sturz sechs kleine Reliefs aus dem Leben Christi, welche an dem nörd- 
liehen sich fortsetzen; als Träger der Thürpfosten hat man in sinniger 
Weise die Gestalten christlicher Tugenden angebracht. Die Arbeiten 
erheben sich nicht über das Niveau des Zeitübliehen. Verwandten 
Chiavenn: 
Toscana. 
Charakter trägt das Portalrelief am nördlichen Kreuzsehid von S. Mieehele 
in Pavia, welches Christus thronend in einem von zwei Engeln getrage- 
nen Medaillen, daneben zwei Bischöfe enthält. Dem Ausgang der 
Epoche werden die Einzelstatuen Christi und der zwölf Apostel im süd- 
lichen Seitensehiif von S. Ze110 zu Verona angehören, Figuren, deren 
bewegte fast dramatische Haltung vergeblich gegen die leere Allgemein- 
heit der typischen Köpfe ankampft. Der-selben Zeit darf der aehteelaige 
marniorne Taufstein in S. Giovanni in Fonte, dem alten Baptisterium des 
Doms daselbst, zugeschrieben werden. Er enthält auf den Feldern die 
Jugendgesehiehte Christi: Verkündigung, Heimsuchung, Geburt, Kinder- 
mord, Flucht nach Aegypten, Anbetung der Könige und Christi Taufe 
im Jordan. Die lllotive sind ungleich, aber der Styl klar (lnrehgebildet, 
würdevoll und lebendig. Die überlangen Gestalten verrathen in Ge- 
wandung, Bewegung und Gruppirung geradezu eine antike Renaissance 
des zwölften Jahrhunderts. Ein Erzeugniss der derben aber lebensvollen 
Phantastik dieser läpoehe sind die (lekerativen Werke an der Kanzel in 
S. Ambrogio zu Mailand. Welche Rohheiteil man sieh aber noch am 
Ende dieser Epoche gefallen liess, beweist der Taufstein im Baptisterium 
bei S. Lorenzo zu Chiavenna, insehriftlieh vom Jahre 1'206, deren 
plumpe Reliefs ein mehr saehliehes als künstlerisches Interesse haben. 
Eine andere Schule tritt, ebenfalls in Verbindung mit einer glän- 
zenderen Entfaltung der Architektur, etwa seit der Mitte des zwölften 
Jahrhunderts in Toseana hervor; allein sie steht an Formlosigkeit der 
oberitalienischen gleich, an Lebendigkeit sogar um ein Wesentliches zu- 
rück. Zugleich tritt an ihren Werken ein Missverhaltniss gegen die 
gleichzeitige Entwicklung der Architektur hervor, welehes noch viel 
schneidender erscheint als bei allen anderen gleichzeitigen Schulen Italiens 
und des Nordens. Denn die toskanisehe  erlebt im Laufe
        

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