Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640392
Zweites Kapitel. 
Die 
byzantinisch- 
momanische Epoche. 
315 
lichenft) Neben einer ganzen Folge von historischen Darstellungen, Abra- 
ham, Melchisedeeh, Christus, den Marien am Grabe u. A., sieht man allerlei 
phantastische Gestalten, wie die Sirene, die Ohimaera, die soga1' durch 
Inschrift dem ungelehrten Beschauer bezeichnet wird, ferner Vögel, Dra- 
chen, Greifen und andere monströse Bildungen. Die übersehwängliche 
Lust an solchen Schöpfungen eontrastirt wunderlich mit dem überaus 
mangelhaften Formensinn. Diese reiche Dekoration findet sich jedoch 
nur an den unteren Theilen; alles Obere, die Geavölbdienste und Triforien, 
zeigt an den Kapitltlen das conventionell wiederkehrende frühgothische 
Blattschema. 
Höchst ausgezeichnet ist endlich die plastische Schule, welche sich 
in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in den mittleren Provinzen, im 
Herzen Frankreichs entwickelt. Sie hängt zusammen mit dem neuen. Auf- 
sclnvunge, den die Architektur dort gleichzeitig nimmt, und aus Welchem 
in kurzer Frist die gliinzendste Schöpfung des Mittelalters, der gothische 
Styl, hcrxforgclicii sollte. Die architektonische Itichtung ist hier von so 
überwiegender Energie, dass auch die Plastik mehr als sonstwo sich dem 
herrsehemlcn Gesetze der Architektur tügen muss, ja geradezu die Sclavin 
ihrer gcstrcngen Herrin wird. Und doch sollte gerade aus dieser tiefen 
Unterordnung in kurzer Zeit die Befreiung und Neubelebung der Bildnerei 
herxrorgehenl Eins der wichtigsten Beispiele dieser Richtung sind die 
Sculpturcn an der Fagarle der Kathedrale von Chartres. Hier sieht man 
zum ersten Male an den drei verbundenen Portalen jenes grossartige 
System einer vollständigen plastischen Aussehmücltnng, welches naehmals 
den Portalen des frühgothischen Styles eine unvergleichliche Pracht ver- 
leihen sollte. Aber man bemerkt auch, wie die Bildhauer noch mit den 
völlig verschiedenen Ginndbetlingungen des romanischen Styls zu kämpfen 
haben. Das Bogenfeld des Portales bot den einzigen genügenden Platz 
und es wurde (lcnn auch in hcrkömmlichei- Weise mit der Darstellung des 
thronenden Christus ausgefüllt, der hager und steif zwischen den vier 
hastig bewegten EvangelistenSymbolen erscheint. Darunter in vier Ab- 
theilnngen die vier Apostel, ebenfalls in hergebrachter Auffassung nnd 
etwa in der zierlichen und sorgfältigen Behandlung, wie sie in den pro- 
venczllischen Sculpturen uns entgegen trat. Die ganze Fülle von histo- 
rischen Darstellungen, die bei jenen südlichen Bauten so glücklich über 
die Arehitrave ausgebreitet ist, wussten die Künstler hier nur an den Ka- 
pitälen anzubringen, die wie ein breites Band sich über die Säulen und 
Pfeiler gleichmassig fortziehen. Hier sieht man in kleinen plumpen 
Werke im 
mittlern 
Frankreich. 
Chartres. 
k) Abbild. 
bei BIIIIJÄQINLC, 
Hist. 
de Yarchit. 
sacräe etc. 
Atlas Taf. 65
        

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