Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640294
Zweites Kapitel. 
Die 
xyzantinisch- 
aromanische Epoche. 
305 
und Bewegung ringenden Style. Von Symbolik ist hier nirgends die Rede, 
selbst historische Seenen kommen nur ausnahmsweise vor, wie der schla- 
fende Simson, welchem Delila die Locken abschneidet; alles Andere 
scheint übermüthige Steimnetzenlaune. Ungefähr derselben Zeit werden 
die Portalseulptureii der Stiftkirehe zu Neu chatel angehören, zwei 
Heilige in barbariseh rohem Styl, (laneben knieend eine baroek-pllanta- 
stisehe ÖFeufelsgestalt. Hier mögen denn auch die (lekorativen Bildwcrke 
des Wünstmars zu Basel angeschlossen werden, die freilich schon dem 
13. Jahrhundert angehören. Am Aeusseren des Chores sieht man reiche 
Friese mit humoristischen Darstellungen aus der Thierfabel; im Innern 
sind die Säulen des Chornuligaiiges mit naiven Seenen aus der Geschichte 
von PyTamus und Thishe geschmückt. 
Eine besondere Gattung von Denkmälern, die in der Folge von grosser 
Bedeutung für die Plntwiekelung der Plastik werden sollten, die Grab- 
steine, sind in dieser Epoche nur ausnahmsweise künstlerisch durchgeführt. 
Man begnügt sieh hiiiliig, nur ein Kreuz in die Platte zu graviren, und 
erst selten versueht man die Gestalt des Verstorbenen in eingeritzten 
Linien oder in flilCllClll Relief darzustellen. Der letztern Art ist der an- 
Grabsteine. 
gebliehe Grabstein der Plektrndis am Chor von St. Maria im Capitol zu 
Köln; ferner das Denkmal Vlittekinds in der Kirche zu Enger in West- 
falen, jedenfalls erst gegen Ausgang der romanischen Epoche, wohl nicht 
vor dem 13. Jahrhundert entstanden, mit jugendliehem Kopf, dessen 
Augen ehemals (lnreh Edelsteine bezeichnet wurden, in langem streng be- 
handelten Gewande, das Ganze ehemals bemalt. Ferner in der Kirche zu 
Freekenhorst eine weibliche Gestalt in fein gefaltetem Gewande; im 
Dom zu NVürzb nrg der Grabstein des Bischofs Gottfried von Hohenlohe 
(starb 1198), noch hart und steif, mit geringem Naturgefühl und sehr 
schwacher Zeichnung des Kopfes wie der Gewandung; endlich in St. Thomas 
zu Strassburg das Grabmal des Bischofs Adaloch, mit schwerfäilligcn 
figürlichen Darstellungen geschmückt. 
Neben der Steinselllptur nimmt auch jetzt der Erzguss in Deutsch- 
land eine wichtige Stelle ein, denn er knüpft nicht blos an die technischen 
Leistungen der vorigen Elaoehe an, sondern weiss für sich, nament- 
lich in Anordnung und Gliederung des Ganzen, die Ergebnisse der neuen 
Zeit zu verwertheii. Schon im Anfange des Jahrhunderts erlangen in den 
westlichen Gegenden die Künstler von Dinant solchen Ruf in Arbeiten des 
Erzgusses, dass in den anstossenden Provinzen Frankreichs die Erz- 
giesser lange Zeit Dinandiers genannt mirden. Ein bedeutendes Werk 
dieser Schule ist das Taufbecken in St. Barthelemy zu Lüttich, welches 
Lübke, Gesch. der Plastik. 20 
Exzguss.
        

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