Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640287
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Drittes 
den seltenen Fällen, wo er weltliche Gegenstände zu behandeln hatte. S0 
in dem Reliefbilde Kaiser Irriedriehs 1. im Kreuzgange von S. Zeno bei 
Reich enhall, einer noch äusserst rohen Arbeit, und nicht viel besser, 
wenngleich bewegter in dem Bilde desselben Kaisers, seiner Gemahlin 
Beatrix und des Bischofs Adalbert neben dem Portal des Deines zu 
Freising. 
Ausser diesen Arbeiten Bayerns, in Welchen die Fülle symbolischer 
Beziehungen die künstlerische Bedeutung weit überragt, lassen sich zu- 
nächst in Schwaben einige plastische Werke dieser Epoche nachweisen. 
Am Portalbder Kirche von Alpirsbaeh, aus der zweiten Hälfte des 
zwölften Jahrhunderts, sieht man die beliebte Darstellung des thronenden 
Christus in einem von lebhaft bewegten Engeln gehaltenen ltiedaillon. 
Sodann ist an der Johanniskirche zu Gmünd, die wohl schon dem Anfang 
des dreizehnten Jahrhunderts angehört, eine Menge von winzigen Relief- 
bildern nicht bloss an den Portalen, sondern über die ganze Faeade, ja 
selbst an den lilauerfläehen des südlichen SeitenschiHes verstreut. Christus 
am Kreuz am westlichen Portal und an der Südseite, darunter die beiden 
Marieen und Johannes, letzterer den Kopf wie zum Ausdruck des Kummers 
auf die Hand stützend, dann die thronende Maria mit dem Kinde, das nach 
einem von der Mutter dargereiehten Apfel greift. Vergeblich sucht aber 
die Empfindung in solchen Einzelzügen durchzudringen. Die ganzen Ge- 
stalten sind unglaublich embryoniseh und puppenhaft. Gleich daneben 
sieht man aber Kentaurcn, Hirsche, Vögel, Fische, blasencle Jäger, die 
mit ihren Hunden einen Hirsch verfolgen, offenbar von denselben Händen 
gemeisselt, aber von einer Frische und Lebendigkeit der Bewegungen, die 
den stärksten Gegensatz gegen die Starrheit der übrigen Gestalten bilden. 
Die begleitenden architektonischen Formen sind von höchster Eleganz. 
In der Schweiz ist die überaus reiche Ausstattung des Grossmün sters 
von Zürich sowohl im Innern als in zahlreichen gegliederten Pfeilern, wie 
im Aeussern an dem nördlichen Hauptport-al ein Beweis von der Leben- 
digkeit des plastischen Sinnes, aber zugleich von der Schwerfalligkeit und 
Phantastik der Auffassung. Etwas später, im Beginn des dreizehnten J ahr- 
hunderts, schliesst sich die noch reichere Ausstattung des (lortigen Kreuz- 
ganges daran, die an buntem Reichthum kaum ihres Gleichen hatü). Es 
ist hier wie an anderen Orten kaum möglich, der Plastik in ihren wunder- 
lichen Quersprüngen zu folgen. Abenteuerliche Missgestalten, Drachen und 
Ungeheuer aller Art wechseln mit Jagdscenen und possenhaften Darstel- 
lungen, Alles in einem ziemlich rohen, aber mit Anstrengung nach Leben 
Mitth. 
Ant. 
Gesellsclx. 
in Zürich. 
I. Heft 5 u.
        

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