Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640264
302 
Drittes 
Buch. 
der Arkaden des Langhailses auf 's Reichste mit Stuckornanlcnten bekleidet, 
und auf den prachtvoll dekorirtcn Kapitälen erheben sich im Seitenschilf 
grosse Heiligcngestalten mit Spruchbändern, ebenfalls streng und herb 
im Styl, aber die glänzende Ausstattung dieses grossartigen Denkmals 
würdig abschliessend. Die sinnige Verwendung schwebender Engel mit 
ausgebreiteten Flügeln kehrt sodann in grossartiger Fassung an den Ar- 
kaden der Kirche zu Hecklingen, ebenfalls aus der Spatzcit des zwölf- 
ten Jahrhunderts, wieder. Bemerkenswerth ist, dass das klare künstle- 
rische Streben die sächsische Schule, ähnlich wie die westfälische Plastik, 
vor der abstrusen Phantastik, die wir in den Bildwerken anderer Gegen- 
den finden werden, bewahrt zu haben scheint. Um so leichter bricht sich 
hier ein frcier künstlerischer Humor Bahn, wie z. B. in den Reliefs an der 
Aussenseite des Chors der Kirche zu Königslutter, wo die Momente 
der Hasenjagd dargestellt und schliesslich dahin parodirt sind, dass die 
beiden verfolgten Hasen den Jäger überwältigen, niederwierfen und ihm 
schadenfroh die Hände zusammenbinden. 
In Süddeutschland sind es in erster Linie die bayrischen Lande, 
welche sich an einer reicheren Uebung der Plastik betheiligen ü). WVäh- 
rcnd es auch hier nicht an Werken einer schlichten und klaren, aber das 
typisch Hergebrachte nicht überragenden Behandlung fehlt, erhebt sich 
gegen Ausgang der Epoche mit einer gewissen drangvollen Energie das 
Streben in grössercn Bilderkreisen eine Fülle symbolischer Beziehungen 
auszubreiten. Neben mancherlei dunklen christlichen Anspielungen gewin- 
nen, wie es scheint, die halbvcrsehollenen Gestalten der alten nordischen 
Sagen ein neues dämonisches Leben und mischen sich mit jenen An- 
schauungen zu einer Phantastik, die in unkünstleriscliein Durcheinander 
ihre wilden Aphorismen planlos über Portale und Fagatlen der Kirchen 
hinstamineltßt). Ein Prachtstück dieser Art ist das Portal von St. Jakob 
zu Regensburg, eine Stiftung schottischer Mönche, wohl nach 1184 
ausgeführt. In künstlerischer Hinsicht sind diese Werke von auffallender 
Rohheit und völligem Mangel eines frischeren Lebensgefühls. In Regens- 
burg finden wir aus etwas früherer Zeit (um 1140) an den symbolischen 
und heraldisehen Figuren der Donaubrücke einen merkwürdigen Beweis 
von der vielseitigen Thatigkeit, welche man damals von der Bildnerei 
verlangte. Ein geringerer Nachklang der Phantastik von St. Jakob in 
 Zahlreiche Notizen in igiglzarßs Mittelalt. Kunst in der Erzdiöz. München- 
Freising (Freising 1856) u. in (Iesselbcn Verf. Gesch. d. bild. K. im Königr. Bayern, 
S. 177-199. Den hinzugefügten Abbildungen mangelt die geilaue Charakteristik. 
 Vergl. die treffenden Bemerkungen in A. Springen-ä: Ikonograpliischen Stu- 
dien in d. Mitcheil. d. Wiener Central-Comm. 1860. N0. 2.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.