Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640240
300 
Buch. 
Drittes 
Zeit plastischen Portalselhnilek, wenn auch in rohem Styl, wiezu Ober- 
tudorf bei Paderborn zwei ungeheuerliche Ilöwentiguren an den weit 
vorspringenden Kämpfern und darüber am Tlhürsturz Christus zwischen 
den puppenartigen thörichten und klugen Jungfrauen. Weit besser, in 
lebendigcren Motiven und glücklicher Raumfüllung ist das Relief einer 
Anbetung der Könige an der Pfarrkirchc zu Beekum. An tiem nörd- 
lichen Hauptportal der Kirche zu Balve zeigt sich Christus in einem 
von zwei Engeln gehaltenen Medaillen thronend, von grosser Lebendig- 
keit der Auffassung, während ebendort am südlichen Portale ein Relief 
des Gekreuzigten mit Johannes und Maria von geringer und roher Arbeit 
ist. Ferner bezeugt eine Anzahl von Taufsteinen mit reicher plastischer 
Aussehmückuiig den lebhaften Betrieb der Bildnerei in diesen Gegenden. 
So in der Kirche zu Freckenhorst, inschriftlich vom Jahre 1'129, mit 
sehwerfälligen Darstellungen aus dem Leben Christi. Aehnlich, aber 
besonders herb und typisch in der Behandlung der Taufstein in der 
Kirche zu A plerbeck, und ganz dersdlbe wiederholt in der katholischen 
Kirche zu Bochum; andere mit den Darstellungen der Apostel in den 
Kirchen zu Eisen und zu Boke, vorzüglich aber in ungleich edlerem 
Styl in der Kirche zu Beck um. Endlich mögen noch als weitere Zeug- 
nisse für die Regsamkeit der Bildnerei dieser Epoche die beiden Eck- 
säulen in Chor der Kirche zu Erwitte hervorgehoben werden, in harter 
selbst roher Ansftihrung mit Reliefgestalten von Engeln geschmückt, 
welche die Jakobsleiter hinauf  und hinabsteigen. 
Geringer an Zahl und Bedeutung sind die plastischen Werke in den 
weiter westlich gelegenen Gegenden. Wie wenig man um diese Zeit 
selbst in Köln leistete, beweisen mehrere Bildwerke aus St. Pantaleon 
im Museum daselbst und die Figuren am Portalbogen von St. Cacilia. 
Ebenso sind zu Remagen die Seulptnren am Portal des Pfarrhofcs roh 
und in unklarer Phantastik behandelt. Nicht minder schwerfallig; und 
herb zeigen sich die Reliefs am Taufstein der Sehlosskirche zu 
Pont-a-liious son bei Metz in Lothringen, welche mehrere Taufscenen und 
die Predigt Johannes des 'I'äufers enthalten. In den benachbarten Gegen- 
den der Niederlande sind die Sculpturen der Kathedrale von Tour nay 
beachtenswerth. Am Portale des nördlichen Kreuzarmes sieht man den 
Sieg der Tugenden über die Laster in einem harten, schweren Style, doch 
nicht ohne Leben dargestellt. 
Ungleich wichtiger sind dagegen die plastischen Werke des sächsi- 
schen Gebietes. Zwar fehlt es auch hier nicht an Arbeiten, welche mit 
schwerfalliger Rohheit das typische Stylgeprage der Zeit wiederholen, 
wie die derben imtersetzten Figuren an der Vorhalle des Domes zu
        

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