Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640182
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Drittes Buch. 
aus dem alten Testamente, namentlich die Erschaffung des Adam und der 
Eva (Fig. 118), Simsons Sieg über den Löwen und über die Philister; 
dann aber mehrere rathselhafte Figuren und endlich einzelne Thiergestal- 
ten und phantastische Gebilde, wie Löwen, Kentauren u. dgl. Die Dar- 
stellungen, im Ganzen 32 in vier Reihen vertheilte, sind in Haehem Relief 
behandelt, zwar noch ohne Verstandniss des menschlichen Organismus, 
mit gar zu grossen Köpfen und Händen; aber die Bedingungen des Relief- 
styles sind entschieden besser begriffen und klarer befolgt, als an den 
Hildesheimer Arbeiten, während die Antike mit einer gewissen Einfachheit 
fast mehr im Sinne der alterthümlieh griechischen als der römischen Kunst 
aufgefasst ist, und in manchem frischen Motive der Bewegung und der 
Geberde ein naives Naturgefühl sich bemerklich machtif). Diese wenigen 
Beispiele müssen uns, wie so oft, eine reiche Zahl von untergegangenen 
Denkmalen ersetzen. 
Erzarbeit in 
Italien. 
Suteiny 
sculptur. 
Von den übrigen Ländern ist es nur Italien, welches einige grössere 
Werke des Erzgusses bietet. In den meisten Fällen verzichten dieselben 
jedoch vollständig auf plastischen Schmuck, indem sie nach byzanti- 
nischer Weise die Darstellungen durch Niellen in eingelegten Silberfittlen 
vorziehen. Nur am Irlauptportal von S. Zeno zu Verona sieht man in 
vielen mühsam verbundenen getriebenen, nicht gegossenen Platten eine 
Anzahl von Reliefdarstellungen, von denen die älteren des linken Portal" 
Hügels von höchster Rohheit und Styllosiglaeit sind und den Beweis liefern, 
wie weit damals die Bildnerei Italiens hinter der deutschen zurüekstantl. 
Wenig lasst sich endlich von der gleichzeitigen Steinseulptur sagen, 
die erst mit der reicheren Ausbildung der Architektur im folgenden Jahr- 
hundert zu grösserer Bedeutung gelangen sollte. In Frankreich führte der 
Drang nach bildnerischer Thätigkeit zu der wunderlichen Unsitte, in Er- 
mangelung anderer Stellen die Kapitale der Säulen mit geschichtlichen 
Darstellungen zu überladen. Abgesehen davon, dass hierdurch die klare 
Charakteristik der baulichen Form als solcher zerstört wurde, konnte 
auch die Plastik (lureh solch enges Zusanlmendrängeii nicht gewinnen. 
Verwirrte Compositionen, gezwungene und selbst versehrobene Bewe- 
gungen, verbunden mit barbariseheln Ungeschick der Körperauffzrs- 
sung, waren die Luiausblcibliehen Folgen. Reiche Beispiele liefert die 
Vorhalle der Abteikirehe St. Benoit-sur-Loire (nach 1026 erbaut). 
 Unter den selbständigen Werken der Steinsculptur, welche dieser 
 Sehr charakteristische Abbildungen zweier Figuren in Kuglcräv K]. Sehr. I. 
S. 150 f.  Das Ganze giebt F. J. v. Allioli, die Bronzethiir des Doms zu Augs- 
burg. 1853. Vergl. Siglmrl, Gesch. d. bild. Künste im Königr. Bayern. München 1862,
        

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