Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640051
Zweites Kap 
Die byzantinisch- 
-romanische Epoche. 
281 
schärfer und individueller, aufzunehmen und zu einer neuen, höheren Lö- 
sung zu führen. Wohl mag man darum das hohe Glück der griechischen 
Kunst preisen, die einfach auf dem Boden der Natur aufgewachsen, eine 
Vlfeltanschairung verherrliehte, welche deirGegensartz von Natur und Geist 
nicht kannte. Daher ist in den vollendeten Werken der griechischen 
Plastik Alles rein, harmonisch, ohne dass ein Bruch zurüekbliebe. Kann 
die christliche Kunst es zu einer ähnlichen Vollendung nicht bringen, so 
liegt der Grrmd eben darin, dass sie ihre Aufgabe ungleich weiter und 
höher stellt. Sie vermag ihrem Ziele nur von fern sich zu nähern und 
wird es nie erreichen, weil für sie einmal unlösbar jener Dualismus be- 
steht, dcr höchstens im Glauben, nicht im Schaffen sich völlig versöhnen 
lässt. Aber gerade durch den Ausdruck dieses tiefen leidenschaftlichen 
RlHgGllS erhält die christliche Kunst in ihrer Gesammtentwicklung einen 
Zug, der unsere Sympathie vielleicht inniger gefangen nimmt, als die 
vollendete Schönheit es vermochte. Bei der Plastik steigert sich das In- 
teresse in (lemselbeil Maasse, als sie unter der christlichen Anschauung 
weit hinter der Malerei zurückstellen muss. 
Das 
zehnte 
und 
elfte 
Jahrhundert. 
Der Malerei bleiben im romanischen Style vor der Hand alle grossen 
Aufgaben ausschliesslich reserrirt. Sie schmückt mit Mosaiken oder mit 
Fresken die geheiligten Räume des Gotteshauses; sie hat die Freude, in 
gewaltigem Maassstabe die Gestalten Christi, der Apostel und Heiligen, die 
Vorgänge des alten und neuen Testamentes, die Legenden der Märtyrer 
an den Wänden ausbreiten zu dürfen. Es ist kein geringer Kreis von 
Darstellungen, in welchem sie sieh bewegen kann. Denn das (lhristenthum 
bietet zum Ersatze für den verlernen nationalen Inhalt der Kunst eine 
Fülle von religiösen Stoffen, die sieh fortwährend vermehrt und durch die 
Legenden einer unabsehbaren Sehaar von Lokalheiligen stets neuen An- 
lass zu  Schilderung gewahrt. Die Architektur der romani- 
schen Epoche ist aber bei ihren grossen ruhigen Flachen der Malerei be- 
sonders günstig, während sie der Plastik Anfangs fast gar keinen Spielraum 
bietet. Denn selbst die rein ornamentale Seulptur ist noch bis in das 
'11. Jahrhundert in vielen Gegenden äusserst schwach und getraut sich 
kaum einige schüchterne Linien zu versuchen. Daher erklären sieh die 
vielen Pfeilerbasilikcn, daher die ungescliiiiiiekttai Würfelkapitäle in den 
Süulenbzuiten, (lahei- die höchst einfachen Portale, die Anfangs, wie z. B. 
die westliche l-Iauptpforte des Doms zu Würzburg und so manche andere 
noch ohne allen Schmuck sind. Die Plastik bleibt deshalb während der 
Vorwiegcn 
der lßlalvrei.
        

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