Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1640032
Zweites Kapitel. 
Die byzantinisch- 
unnxanische Epoche. 
279 
noch in die Formen des antiken Lebens gebannt war und seine Haupt- 
träger in den antiken Kultnrvölkern hatte. Selbstals das Frankenreich 
unter Karl dem Grossen in durchgreifender Weise sich an die Stelle des 
alten Römerreiches setzte, blieben die Kultur- und Kunstfornien der an- 
tiken Auffassung und ihrer byzantinischen Umbildung unterworfen. Erst 
als das karolingisehe Weltreich durch den Freiheitsdrang der germani- 
schen Völker gesprengt war und die individuelle Selbständigkeit dieser 
Stämme sich in neuen volkstbümlichcn Einrichtungen zur Geltung brachte, 
drang dieser belebende Odem auch in die bildende Kunst und eröffnete 
ihr die Aussicht auf eine neue Entfaltung. 
ZWEITES 
KAPITEL. 
Die 
byzantinisch-romanische 
Epoche. 
Um den merkwürdigen Prozess der Entwicklung einer neuen christ- 
lichen Kunst zu begreifen, darf man vor Allem nicht vergessen, dass das 
Christenthum den germanischen Völkern als eine fremde, dem fernen 
Orient entstammende Frucht aufgedrangt wurde. Feindselig trat es 
gegen alle nationalen I-Ieiligthümer- auf, zerstörte die Anschauungen des 
rohen, einfachen Naturlcbcns, achtete die volksthümlichen Gottesideen und 
setzte dafür etwas nach Form und Inhalt Fremdartiges an die Stelle. 
Wir wissen, mit welch zäher Anhänglichkeit unsere Vorfahren an heidni- 
schen Ueberlieferungen hingen, mit welch todesmuthiger Tapferkeit sie 
ihre Freiheit, ihren Hcerd und ihre alten Götter verthcidigten, mit welcher 
Hartnäckigkeit sie lange nach ihrer Unterjoclumg unter das Kreuz sich 
immer wieder empörten und die vcrlorne Sache offen und geheim von 
Neuem ergriffen. Als aber diese Anstrengungen sich vergeblich erwiesen 
und die neue Lehre mit Gewalt der Waffen dauernd befestigt wurde, ent- 
stand zunächst eine Gahrung, die das mühsam zu Stande gekommene 
Werk wieder zu zertriiinmern drohte. Germanischer Freiheitssinn War es, 
der sich gegen die römische Centralisation des karcliiagischen Reiches 
auflelinte und die ehernen Bande sprengte, welche das Sonderleben der 
Stämme ersticken wollten. Zunächst entstand nun eine Vei-wirrilng, die 
Alles in wildeste Anarchie auflöste. Es schien kein innerer Halt die Ge- 
Das Chri- 
stemhunx 
und die 
Germanen.
        

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