Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639999
Erstes Kapitel. 
Die altchristlichc Epoche. 
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und ziehen friedlich im Schutze des Ilimmels ihre Strasse. Im lebhaften 
Gegensatze zur festlich heiteren Stimmung dieser Gruppe steht das wilde 
Getümmel der Verfolger, die mit Ross und Wagen in den wildempörten 
Fluthen versinken. Pharao selbst jagt eben auf dem Ziveigespann, gefolgt 
von seiner berittenen Leibgarde, in's Verderben hinein. In acht antiker 
Auffassung ist Anfang und Ende des Zuges dicht zusammengedrängt, 
(lenn der Letzte des Gefolges sprengt eben aus dem Stadtthore hervor. 
Auch die drei Gestalten, welche am Boden lagern und das Lokal des Lan- 
des, des Niles und des rothen Meeres pcrsonificiren, sind völlig in antikem 
Geiste gedacht. Dies Werk, das etwa dem fünften Jahrhundert angehört, 
gewährt eine lebendige Anschauung von der sinnvollen Weise, in welcher 
die Vorgänge des alten Testamentes auf christliche Anschauung und die 
Lehre von der Erlösung übertragen wurden.  Weiter besitzen die Mu- 
seen des südlichen Frankreichs eine Anzahl von altehristliehen Sarko- 
phagenit). Mehrere in der Sammlung zu Marseille zeigen Christus mit 
den Aposteln in kleinen Säulenstelhmgcn. Der Ilntergang Pharao's im 
rothen Meere findet sich auf einem interessanten Sarkophage des Museums 
zu Aix; doch sind damit Joseph vor Pharao und das Mannalescn auf 
den Sehmalseiten verbunden. Ebendort sieht man einen anderen, mit ver- 
schiedenen Wundern Christi und Moses, der die Gesetztafcln empfängt. 
Eine grosse Anzahl besitzt ferner das Museum, wie die Kathedrale von 
Arles. Endlich kommen verschiedene Wundergeschichtcn Christi, durch 
Saulchen abgetheilt, an einem Sarkophag des Museums zu Lyon vor. 
,Vom Ende der altchristlichen Epoche datiren einige merkwürdige 
Reliefgestalten zu Oividale in Friaul. Dieselben befinden sich in einer 
kleinen Kirche des Benediktinerinnenklosters, welche im achten Jahrhun- 
dert von einer longobardischen Fürstin Peltrudis erbaut wurde. Bei der 
Genauigkeit, in welcher eine alte Nachricht mit dem Zustande des Denk- 
mals übereinstimmt, ist an dem Datum nicht zu zweifeln. Sechs über- 
lcbensgrosse, in Stuck ausgeführte Reliefgestalten der heiligen Frauen 
Anastasia, Agape, Chionia und Irene, und der beiden männlichen Ileiligen 
Chrysogonus und Zoiles sclnnüeken die Wände. Während die letzteren 
in einfacher priesterlicher Tracht mit der faltenreiehen Casula zmgethan 
sind, zeigen die weiblichen Gestalten (Fig. 115) das mit schwerem Schmuck 
von Perlen und Stickereien überladene byzantinische Frauenkostüm. In 
starrer Haltung, mit den ausdruckslosen Köpfen und den nur mühsam 
in parallele Faltenlinien abgetheilten Gewändern geben sie ciiranschau- 
Reliefs z: 
Cividale. 
in Jllillirüs "Voyage dans les (iäpartcments 
du midi de 1a Francc (Paris
        

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