Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639868
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Zweites Buch. 
So vor allen Dingen die häufig wiederholten Amazonenkampfe, welche ja 
seit der ersten griechischen Blüthczeitein Licblingsthemzi der alten Kunst 
bildeten. Dahin gehört z. B. ein gut erhaltener Sarkophag des Capitols 
(Fig. 109 u. 110), bei welchem durch alles Ungeschick der Ausführung 
überraschend lebendige Motive zum Vorschein kommen. Ebenso ein etwas 
früherer, aber stark zerstörter im Museum zu Neapel. Andre wiederholen 
in ausgezeichneten Uompositionen die berühmte Niobiden-Gmppe; so vor 
allen im Dogenpalast zu Venedig und im Vatiean. Mehrere prächtige 
Sarkophage mit Nerciden-Zügen, z. B. im Palazzo Gorsini zu Rom, im 
Capitol und im Vatican gehen in ihren besten Motiven vermuthlich auf 
ein berühmtes WVerk des Skopas zurück. In diese Reihe gehören auch 
Denkmale wie der kolossale Sarkophzig mit der Geschichte des Aehill 
im Capitol, auch durch die beiden auf dem Deckel ruhenden Portrait- 
gestalten merkwürdig. Dagegen sieht man, gewiss nicht ohne Bezug auf 
die Mühsale des Erdenlebens, an manchen Sarkophagen die Darstellung 
der Thaten des Herakles; so an dem interessanten Werke der Villa 
Borghese, wo die einzelnen Scenen metopenartig durch Saulchcn ge- 
trennt sind, während an einem Sarkophag der Uffizien zu Florenz acht 
Arbeiten in nnunterbrocliener Darstellung vereinigt sind.  
Die Mehrzahl dieser Werke nämlich enthält solche Gegenstände des 
Mythos, denen eine tiefere Beziehung auf das Leben des lilensiehen, das 
Todesschicksal und die Hoffnung eines Wiedersehens abzugewinnen war. 
Häufig sieht man Scenen des dionysischen Kreises, die an den Schmerz 
und Kampf des irdischen Daseins und die Aussicht auf künftigclSeligkcit 
erinnern. So das prächtige Bacchanal auf einem Sarkophag des Capi- 
tols; so Baeehus, der die Ariadne findet, im Vatiean; andere dionysische 
Sarkophage im Palazzo Farnese zu Rom, im Oampo santo zu Pisa, im 
Museum zu Neapel und in dem zu Lyon. Bestimmter weisen die 
Darstellungen von Luna, die den geliebten Endymion im Schlummer 
überrascht, auf ein seliges Erwachen hin; Beispiele im Vatican, ein vor- 
züglich sehönesim Capitol. Nicht minder beliebt war der Raub der Pro- 
serpina, wie man ihn an einem Sarkophag im Dom von Amalfi und sonst 
noch öfter findet. Noch bestimmter weisen die Darstellungen des Prote- 
silaos oder der Aleeste (Villa Alb ani, Santa Chiara zu Neapel), welche 
beide aus der Unterwelt zurückkehrten, auf die Idee einerWiedervereinigiing 
nach dem Tode hin. Besonders innig und tiefempfinlden sind aber jene Dar- 
stellungen, welchen der Mythos von Amor und Psyche zu Grimde liegt, wie 
einem Sarkophag im Museum zu Arles und dem  pamüli- 
sehen Sarkophag des Capitols, der in sinniger Weise die Schicksale der 
Mensehenseele behandelt (Fig. 111-113). In ununterbrochener Reihe zieht
        

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