Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1637346
Erstes Buch. 
des mittleren und vorderen Asiens, die Aegypter selbst sind vom geschieht- 
liehen Strom ergriffen und in die wechselvollsten Schicksale furtgerisseii 
werden. Die mächtigsten Reiche, die festesten L(rbxniserdiiuligeii sind dem 
Untergang anheimgefallen. oSlltlSlßll selueint (liesem nnabläissigeil Wechsel 
gegenüber die starre Festigkeit unabänder-liehen Beharrens vertreten zu 
sollen. 
In diesem Gr-agensattze gegen alle anderen Kulturxtölker liegt für uns 
die Berechtigung, ja die Nöthigung, jene Völker des fernsten Ostens an 
die Spitze unserer Kunstbetrzichtung zu stellen. Obwohl neuere Forschung 
die Denkmale jener Lander in eine viel jüngere Zeit gerückt hat, als sie 
früher dem staunenden Auge des Reisenden erschienen, müssen sie doch, 
eben jener Unvcrän(ierliehkeit des ostasiatischen Geistes wegen, als Zeugen 
einer vielälteren Gesittung und Kunstbihlung gelten. Dafür spricht auch 
der Charakter ihrer architlaktonischen Anlagen. In erster Linie handelt 
es sich hier von den Werken Indiens. Sie sind fast ohne Ausnahme  so 
weit uns ein Urtheil zusteht- gottesdienstliche Denkmalc. Die religiösen 
Anschauungen beherrschen im Leben der Hindu Alles, das Grösste wie 
das Kleinste. Sie weisen schon vor der Geburt den Menschen einer be- 
stimmten Kaste zu, zeichnen ihm unabitmlcrlich seinen Lebensgang vor, 
machen ihn zum willenlosen Werkzeuge in einer unerhittliclien Weltord- 
nung. Bezeichnend genug, dass die einzige geistige und geschichtliche 
Bewegung, die wir in Indien kennen, eine religiöse gewesen ist. Sie 
knüpft sich an das Auftreten Buddhzüs, dem die Noth des in dumpfcm 
Elend seufzenrlen Volkes so zu llerzen ging, dass er eine tröstlichere 
Lehre, eine reinere Gottesverehrung an die Stelle des phantastischen 
brahxnanischen Aberglaubens setzte. Aber auch der Buddhismus, so edel 
und rein er ursprünglich gedacht war, entging nicht den irc1'de1'bliehen 
Einflüssen des alten  WVahnes, mid wie in Indien die unver- 
wüstliche 'l'riebkraft der Natur alle gewaltigstlan Schöpfungen der Men- 
schenhand immer wieder mit ihren Schlinggewxiitchsen überwuchert, so er- 
stickt die Phantastik des indischen Geistes immerfort alle reineren, klare- 
wfllltiXStik. 
ren Anschauungen. 
Die Werke der Bildnerei haben unter solcher Sinnesriehtuug am 
Ineisteil zu leiden. Keine Religion hat je solchen Schwulst wuwvol-i-eiier, 
mystischer Vorstellungen zu 'I'a.ge gefördert, wie die der Bmhnlanen. 
Der Charakter des Volkes neigt mehr als der irgend eines anderen Stam- 
mes zum weichen Insichversinktiil, zu grübelndem Brüteu. Das düefsinnigia 
schlägt sofort in's V erschrobene um. Aus den "Pritumeu dieser abenteuer- 
liehen Phantastik ist eimGöttei-himmel  dessen (lestalten 
jeder plastischen Darstellung zu spotten scheinen. Die göttlielneln Wiesen
        

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