Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639822
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Zweites Buch. 
geführte Darstellung der bei Todtenfeiern üblichen Reiter-spiele; auf der 
dritten Seite ist die Apotheose des Kaisers und seiner Gemahlin Faustina 
in einer etwas steifen aber mit Sorgfalt und Geschick behandelten Alle- 
gorie geschildert. So sind denn auch die Reliefs an der Säule des M. 
Aurel, welche den Kriegszug des Kaisers gegen die lllarkomannen dar- 
stellen, eine schon merklich schwächere Nachahmung der Arbeiten an der 
'I'rajanssaule, ein Beweis, wie schnell die römische Plastik an der undank- 
baren Aufgabe solcher Massenschilderung erlahmte. Ebenso bekunden die 
im TH-eppenhause des Conservatorenpalastes zu Rom aufgestellten grosscn 
Reliefs eines Triumphbogens des M. Aurel in allem Einzelnen die Nach- 
ahmung früherer Werke, und nur die Tafel mit der Apotheose der Fau- 
stina ist darunter von selbständiger Tüchtigkeit. In völlige Verwil- 
(lerung verfallt dagegen die Kunst bei den Reliefs am Bogen des Septimius 
Severus (201 n. Ohr. errichtet), und was endlich am Constantinsbogen 
den edlen Trajanischen Werken hinzugefügt wurde, proclamirt in ab- 
schreckender Rohheit den Bankerott der römischen Kunst. Nicht viel 
höher stehen die Reliefs am Postament des Obelisken, welchen Theo- 
dosius in Constantinopel aufstellen liess. Doch beweisen sie sowohl, 
wie die Darstellungen der ebendort von ihm errichteten, uns nur in Abbil- 
dungen erhaltenen Säule, wie vollständig in Byzanz die monumentalen Ge- 
wohnheiten des alten Rom nachgeahmt wurden. 
Ehe aber die antike Plastik erlosch, gab sie noch einmal in den 
Reliefdarstellungen der Sailkolahage einen merkwürdigen Beweis ihres 
unerschöpflichen Reichtlnlms und unverwüstlicher Lebenskraft. Die Sitte 
die Todten zu bestatten lasst sich im ganzen Alterthumc neben der Sitte 
des Verbrennens nachweisen; aber seit der Zeit der Antonine kam sie all- 
gemein in Uebung und rief jene ungeheure Anzahl von Sarkophagen hervor, 
welche die Museen und Paläste Italiens füllen. Die meisten dieser Werke, 
welche gewöhnlich aus weissem Marmor gearbeitet sind, haben an der 
vorderen Langseite und den beiden Sehmalseiten, einige auch an allen 
vier Seiten Reliefs, welche bisweilen in ununterbrochenem Zuge sich fort- 
setzen odcr in verschiedene getrennte Scenen zerfallen. Ebenso ist der 
schmale Rand des Deckels noch mit besondern Reliefs geschmückt, die 
nicht selten den übrigen an Kunstwerth überlegen sind. Oben auf dem 
Deckel werden manchmal die Gestalten der Verstorbenen, Wiß bei den 
etrurischen Sarkophagen in bequemer halb aufgeriehteter Stellung lebens- 
gross angeordnet. Der künstlerische Wcrth dieser Arbeiten steht in der 
Regel auf der niedrigen Stufe handwerksinassiger Fabrikarbeit; denn 
die Werkstätten der Bildhauer hielten dergleichen Gegenstände des tag- 
liehen Bedarfs auf Vorrath bereit, um den Kunden die Auswahl zu ge-
        

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