Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639790
Viertes Kapitel. 
Die Bildnerei bei den Römern. 
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verhätschelte Söldnerkaste, wenn sie erst anfängt zu politisiren, die mach- 
tigsten Staaten zu Grunde richtet. Und Während so das Weltreich langsam 
aber unaufhaltsam aus den Fugen ging, bemachtigtc sich der Gemüther 
der Menschen allgemeine Trostlosigkeit und Verzweiflung, die nirgends 
einen Ausweg sah und sich zuletzt ebenso vergeblich an den Aberwitz 
asiatischer Götterdienste zu klammern suchte. Was konnte in solchen 
Zeiten das Loos der edlen Plastik sein? Zivar wurde sie noch immer 
massenhaft verwendet, da manche Kaiser bis zuletzt fortfuhren, in Pracht- 
bauten miteinander zu wetteifern. Auch dürfen wir uns diese Thatigkeit 
weder der Masse noch dem Gehalte nach unbedeutend denken, und gciriss 
stammt manches 'I'üchtige, manches Glänzende unter den Schätzen unserer 
Museen noch aus dem Anfange dieser Epoche. Aber innner geistloser 
wird die Behandlung, immer abhängiger, immer ertiiiduilgsäiriner die Com- 
positien, immer trockener und ausserlichei- die Auffassung, immer sieht- 
barer zuletzt auch in  Weise der Verfall der Technik. 
An einer Reihe erhaltener Denkmäler lässt sich dieser Process deutlich 
nachweisen.  
Was zimachst das Idealgebiet betrifft, so werden wir auf diesem am 
wenigsten auf neue Anschauungen stossen. Bezeichnend ist jedoch, 
dass die Darstellungen orientalischer Gottheiten immer häufiger werden. 
So kommt der ägyptische Serapis, der schon zur alexandrinischen Zeit in 
die hellenisehe Kunst eindrang, häufig in Denkmälern vor. Noch einfluss- 
reicher wurde der Isisdienst, der bald nach Augustus sich in Rom einbür- 
gerte und seit Commodus zu allgemeiner Verbreitung kam. Schon in Pom- 
peji findet man einen Tempel der Isis, sowie eine Anzahl von Statuen 
jener Göttin und ihrer Dicnerinnen. Der Mehrzahl nach gehören solche 
Werke jedoch erst der späteren Zeit an. Entweder waltet in ihnen eine 
freierc griccliiseh-römische Behandlung vor, so dass nur die 'I'raeht des 
gefranzten Obergewandes und das Sistrum oder die Lotosblume in der 
Hand auf die fremdartige Abkunft hinweisen wie bei der bekannten Mar- 
morstatue des Catpitols (Fig. 108) oder  und das ist die hlehrzahl, 
es wird ällßil die steife architektonische Haltung ägyptischer Statuen 
in affektirter Weise nachgeahmt. Sehr zahlreich sind sodann schon 
seit Domitian und mehr noch seit Commodus Darstellungen des assy- 
risch-persisehen Mithrasdienstes. Es ist das unendlich oft in unab- 
änderlich wiederkehrender Composition dargestellte Stieropfer, das bis- 
weilen recht lebendig und gut durchgeführt ist, während freilich die 
grosse Mehrzahl dieser Gebilde als handwerksrnassige Stümperarbeit er- 
scheint. Es ist immer derselbe tniedergeworfene Stier, auf welchem der- 
selbe Jüngling mit phrygischer Mütze kniet, um ihm den Todesstoss zu 
Orientali- 
sche Götter- 
bilder.
        

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