Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639782
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Zweites Buch. 
Bogen zu 
Beueveut. 
dienste, die gesunde Kraft und geschichtliche Lebendigkeit derselben 
blind machen. 
Endlich ist aus dieser Epoche noch der Trajzmilsbogen zu Benevent 
zu erwähnen, dessen Attika und breite lXlzruei-flächen an beiden Stirn- 
seiten mit grossen Reliefdarstellungen fast überreieh geschmückt sind. 
Man sieht einzelne Seenen eines Thiumphzuges, die an Kraft und feier- 
lieher Würde denen des litusbogens nicht viel nachzugehen scheinen, 
Während die kleinere Darstellung des Opferzuges am Friese hier wie 
"dort dürftig und monoton eomponirt ist. Dies spricht dafür, dass die 
römische Plastik für so einfache Aufgaben die feine, sinnige Behandlung 
der Griechen unwiederbringlich verloren hatte und nur in Darstellungen 
eines thatig angespannten Lebens oder einer rauschenden Siegesfreude 
sich heimisch fühlte. 
DRITTE 
PERIODE. 
Von 
Hadrian 
bis 
ZIIID 
Untergange 
des 
römischen 
Reiches. 
Zunahme des 
Verfalls. 
Ursachen 
desselben. 
"Wäre es möglich gewesen," sagt Winckelmann, "die Kunst zu ihrer 
vormaligen IaIerrliehkeit zu erheben, so war IrIadrianus der Mann, dem es 
hierzu weder an Kenntnissen, noch an Bemühung fehlte; aber der Geist 
der Freiheit war aus der Welt gewichen, und die Quelle zum erhabenen 
Denken und zum Ruhme war verschwunden." In der That ist Hadrians 
Kunstliebe ein Beleg zu der Wahrheit, dass alle Fürstengunst, alle ver- 
schwenderisehe Förderung eines vornehmen Mäcenatenthtnnes vergeblich 
sind, wenn die inneren Hülfsmittel, die Begeisterung für Ideale, den Volks- 
geist verlassen haben. Wohl gab es noch eine kurze Nachwirkung des 
letzten Aufsehwunges während. der Zeit der Antonine; aber bald darauf 
sehen wir die Kunst immer mehr in Schwäche und Entartung versinken, 
die allmählich in völligen Verfall und gänzliche Auflösung ausläuft. 
Dieser Verfall ist bekanntlich keine vereinzelte Erscheinung. Er 
hängt zusammen mit dem Verfall des ganzen antiken Lebens. Die Tüch- 
tigkeit des altrümisehen Wesens war längst in dem wirren Gemisch der 
verschiedensten Nationalitäten des Orients und Oeeidents bis auf die 
letzte Spur verschwunden. Was davon noch übrig schien, war nichts als 
barbarische Rohheit, hässlich verschmolzen mit den Lastern der verdor- 
benen Kulturen (lreier Welttheile. Wahrend die Gesellschaft sich immer 
mehr in die beiden Gegensätze eines ruchlosen Proletariats und einer noch 
ruehloseren Klasse von Nabobs auflöste, wurde die Staatsgewalt bald ein 
Spielball der übermüthigen Soldatesea, die zum ersten Male der Welt das 
Schauspiel gab, wie sicher eine durch die Gunst des obersten Kriegshcrrn
        

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