Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639753
Viertes Kapitel. 
Die Bildnerei bei den Römern. 
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perspektivische Vertiefung des Grundes ausschliesst und jede Gestalt 
möglichst klar in ihrem vollen Umriss auf demselben Plan zu entwickeln 
strebt, reicht für diese redseligen Compositionen nicht mehr aus. Die Fi- 
guren werden gedrängt, die Gruppen gehäuft, und im Sinne orientalischer 
Bildwerke wird die landschaftliche und architektonische Umgebung in 
realistischer Ausführlichkeit mitgegeben, so dass das (lichte Gedränge 
der Gestalten auf malerisch abgestuftem Hintergrunde sich wie in einem 
Gemälde über einander schiebt. Dadurch erhalten die vordersten Figuren 
ein Hochrelief, welches theilweise sogar in Freiscnlptnr übergeht; der 
gesammte Charakter dieser Darstellungen aber gewinnt ein überkraftiges 
Leben, das im Gegensatz zur schlichten Klarheit griechischer Reliefs den 
Eindruck einer gewissen Ueberladung macht. Dagegen ist nicht zu leug- 
nen, dass diese Werke in Verbindung mit der reichen Ornamentik den 
Bauten der Römer einen Ausdruck von strotzender Lebensfülle und ge- 
diegcner Pracht geben, mit dem keine andere Architektur der Welt wett- 
eifern kann. 
Zu den frühesten Arbeiten dieser Art gehören zwei Bruchstücke von 
einem Thiumphbogen des Claudins, welche sich in der Villa Borghese zu 
Rom befinden. Es sind trefflich gearbeitete aber sehr zerstörte Dar- 
stellungen eines Siegeszuges mit 'l'rophäen, die Gestalten kraftvoll und 
lebendig bewegt. Von ähnlicher Art, aber besser erhalten, sind die beiden 
grossen Reliefs an den inneren Wänden des Titusbogens zu Rom, welcher 
im Jahre 81. n. Ohr. dem Kaiser wegen des Sieges über Jerusalem errichtet 
wurde. Das eine der beiden grossen Reliefs (Fig. 106) schildert den Theil 
des Zuges, der mit den heiligen Tempelgeräthen, der Bundeslade und 
dem siebenarmigen Leuchter eben in den Trimnphbogen einzutreten im 
Begriffe ist. Die Gestalten sind dicht gedrängt, aber höchst lebendig in 
markiger Fülle und mit dem straifen elastischen Sieger-schritt hingestellt. 
Auf dem andern Relief sieht man die arg zerstörte Gestalt des Imperator-s 
auf der Quadriga, von der Göttin Roma geleitet und von Lictoren um- 
geben. Der Triumphat0i' wird von der neben ihm stehenden Victoria ge- 
krönt. In der Mitte der Wölbung sieht man den vom Adler emporgetra- 
genen Kaiser. Endlich sind an beiden Facadcn des Denkmals die Friese 
mit einer kleinen Relieftlarstellnng des Opferzuges geschmückt. Die 
Opferstiere, von Priestern und Dienern begleitet, dazwischen siegreiche 
Krieger in der Friedcnstracht mit Schilden und Feldzeichen; ausserdem 
wird die Statue des ruhenden Flussgottes Jordan einher-getragen. Diese 
Friese, in der Erfindung armselig und in der Anordnung monoton, 
kennen nichts mehr von griechischer Lebendigkeit, sondern stehen wieder 
ganz auf dem Standpunkte der ähnlichen Werke zu Persepolis. Man 
Bogen 
Clau 
des 
ins; 
Bogen des 
Tims.
        

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