Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1636711
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1639709
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Zweites Buch. 
Pallasbilden 
Amor 111 
Psych e 
Bakchische 
Gestalten. 
und nebenbei durch die sechzehn pyginaenartigen Schelme, welche muth- 
willig den gewaltigen Riesen umspielen, ein Meisterstüek des lnnnoristi- 
sehen Genre. Denn in dieser geistreichen Weise hat der Künstler die 
verschiedenen Stadien der Anschwcllung des Flusses angedeutet. Ein 
Gegenstück zu diesem Vicrke ist der ebenfalls grossartig behandelte Tiber 
im Louvre zu Paris.  Gross ist sodann die Zahl der Statuen, in denen 
uns Nachbildungen der Meisterwerke griechischer Blüthezeit erhalten sind. 
S0 deuten die kolossale Marmorstatue der Pallas von Velletri im Louvre, 
und die durchaus verwandte aber viel geistvoller behandelte Pallasbüste 
der Glyptothck zu München vielleicht auf eins der Pallasbildcr des 
Phidias hin, während die Minerva mediea des Vatican einem minder 
majestätischen, mehr anmuthigen Vorbilde nachgeahmt zu sein scheint. 
Qnter den Gruppen zeichnet sich die capitolinischc von Amor und Psyche 
(Fig. 102) durch zartesten Ausdruck und das feinste Liniengefühl als ein 
Werk von griechischer Erfindung, wenngleich geringerer Durchführung, 
aus. Der Kreis des Amor und der Venus, aber auch des Bakehus mit 
dem ganzen Bereich seiner lehensprühenden Gestalten erfreut sich in 
dieser Zeit einer besonderen Piiege, wie die überaus zahlreichen und 
manniehfaltigen Denkmale beweisen. Zu den tüchtigstcn Werken dieser 
Art gehört der Silen, welcher das Bakehuskind sorgsam auf den Armen 
halt und mit Zärtlichkeit betrachtet, ein Werk, dessen häufige Wieder- 
holungen, im Vatiean, in Paris, München und an andern Orten ohne 
Zweifel auf ein berühmtes griechisches Original zurück zu führen sind. 
Den ausgelassenen Humor bakehantiseher Gestalten schildert die treff- 
liehe Statue des tanzenden Faun in der Villa Borghese zu Rom, dem 
ebenfalls ein berühmtes griechisches Vorbild zu Grunde liegen muss, 
vielleicht der die Flöten anstaunende Satyr von Myron. Voll naiver 
Lebensfreude ist der treHlich durchgeführte, das Scabillum tretende Faun 
in der Tribuna der Uffizien zu Florenz, und ebenso zeichnet sich durch 
feine Naturwahrheit und elegante Bewegtmg der Faun im Capitol aus, 
in rothem Marmor (rosso anlico) mit einer gewissen prunkentlen Technik 
ausgeführt (Fig. 103). Man fand die Statue in den Trümmern der hadrizi- 
nischen Villa, und sie mag gleich jenen beiden Kentauren aus schwarzem 
Marmor, welche eben dort gefunden wurden, die um jene Zeit immer 
starker hervortretende Vorliebe für kostbare oder schwer zu bearbeitende 
verschiedenfarbige Steinarten bezeugen, die ein klares Hervortreten der 
Form hinderten und nur dem Prunken mit einer bravourmässigen Tech- 
nik förderlich waren. In diese Reihe gehört auch die unangenehme 
Kolossaliigur eines Herkulesknaben aus grünem Basalt im Museum des 
Capitolsa
        

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